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II. Teil. Beschreibung des Denkmals 2. Abschnitt. Die vier Eckreiter

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

Die vier Eckreiter. 
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und die Hand am Kinnch scheint er über einen neuen Handstreich 
nachzusinnen. Aber diese Stellung und diese Manier passen zu 
dem alten Zieten absolut gar nicht, und das ist der wunde Punkt 
an dem Denkmale; es ist wohl ein ganz hervorragendes Kunstwerk, 
aber es ist nicht Zieten. Auch hat Rauch die Schwierigkeit, der 
für eine plastische Darstellung so undankbaren Gestalt Zietens 
monumental gerecht zu werden, in viel glücklicherer Weise über 
wunden wie Schadow. Ein großer Vorteil für ihn war schon, 
daß er ihn zu Pferde darstellen konnte, denn kleine Gestalten ge 
winnen zu Pferde gesetzt. Schadow war dagegen genötigt, seinen 
Helden noch mehr wie Rauch über seine natürliche Größe hinaus 
wachsen zu lassen, wollte er nicht auf jede monumentale Wirkung 
verzichten. Ferner hat Rauch dadurch, daß er wie bei den anderen 
Statuen (außer Leopold") und Schwerin) auch bei Zieten die 
Kopfbedeckung wegließ, es erreicht, daß dessen charaktervoller 
Schädel und die hohe Stirne freiliegeu. Schadow hat dagegen 
seinem Zieten eine mächtige Pelzmütze aufgestülpt und noch einen 
Teil des Kinns durch die Hand verdeckt; es hätte bloß noch ein 
großer Bart gefehlt, so wäre für die ausdrucksvolle Charakteristik 
des Gesichts fast gar nichts mehr übrig geblieben. 
Fontäne hat den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn er sagt, 
daß Zieten zwar ein verwegenes Husaren-Herz gehabt habe, daß 
aber ihm, der von Jugend aus etwas Ernstes, Nüchternes und 
durchaus Schlichtes hatte, die Husareu-Manieren fremd waren, 
daß also die vielbetonte naturalistische Auffassung Schadows eine 
mehr scheinbare als wirkliche ist. 
An den Reliefflächen hinter den vier Reitergestalten hat Rauch 
st Bekannt ist der Berliner Volkswitz, der wegen dieser Stellung der Hand 
den alten Zieten sagen läßt: „Soll ick mir nun rasieren lassen, oder warte ick 
noch ein bißchen?" 
st Auch diese Beiden waren ursprünglich ohne Hut gedacht. Der König be 
stand aber trotz des Protestes Rauchs darauf, daß Leopold als regierender Fürst 
eine Kopfbedeckung erhalte. Der Symmetrie wegen mußte dann auch der neben 
ihm reitende Schwerin einen Hut bekommen.
        
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