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II. Teil. Beschreibung des Denkmals 2. Abschnitt. Die vier Eckreiter

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

Die vier Eckreiter. 
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Rauch hat Zielen — selbstverständlich in seiner Husarenuni 
form — in dem Momente dargestellt, wo er zum Angriff den 
Säbel herausreißt, das kampfesfrohe Gesicht deut Feinde zugekehrt. 
Die Figur ist wie bei dem Prinzen Heinrich gegen seine wahre 
Gestalt etwas vergrößert und seine mürrischen Züge, wie sie wenigstens 
die nach dem Leben modellierte vortreffliche Büste Tassacrts im 
Schlosse zu Wustrau') zeigt, sind durch ein edles Feuer belebt; 
dies tvurde durch die glücklich gewählte Situation — (Vorbereitung 
zu einer Attacke) — ermöglicht, ohne daß Rauch der historischen 
Wahrheit Abbruch that. Das reichgeschirrte Pferd, ein prächtiges 
Tier, ist in die Stellung gesetzt, die der Karriere vorangeht; 
nur hat Rauch den Fehler gemacht, daß er den Reiter die Zügel 
fortwerfen und mit der Zügelfaust die Säbelscheide fassen läßt, 
ein ganz uukavalleristisches und in Wirklichkeit unmögliches Bild. 
Der Abgeordnete von Meyer-Aruswalde erzählte darüber in 
der Reichstagssitzung vom 14. Januar 1892 eine hübsche Ge 
schichte. Als er einen Schutzmann, der Unteroffizier bei den 
Blücher-Husaren gewesen war, fragte, ivas ihm passiert wäre, 
wenn er sein Pferd so hätte in Karriere setzen wollen, ant 
wortete ihm dieser mit den lapidaren Worten: „Drei Tage in 
den Kasten!" 
Der Vergleich der Nauch'schen Statue Zietens mit dem be 
rühmten Denkmale Schadows fällt, so wenig wir uns auch gegen 
i) Im Besitze des Grafen von Zieten-Schwerin. Sie ist aus grünlichem 
Thon und, wie die an der Seite eingekratzte Inschrift besagt, an einem einzigen 
Tage — dem 2i. Januar 1788 — von Tassacrt vollendet worden. Sie ist von 
überraschender Lebenswahrheit und durchaus frei von dem konventionellen Zuge, 
den gewöhnlich die Werke Tassaerts zeigen. Daneben steht eine gute Marmorkopie 
der Büste, die neueren Datums ist. Eine eherne, nicht sehr ähnliche Büste Zietens 
von I. Pfuhl befindet sich im Berliner Zeughause. — In der Dorfkirche zu Wustrau 
steht das Grabdenkmal Zietens, eine mäßige Durchschnittsarbeit des rasch und viel 
produzierenden alten Direktors der Berliner Kunstakademie Bernhard Rode. 
Höheren Wert erhält es jedoch durch ein trefflich ausgeführtes weißes Marmor 
relief, daß den Kopf Zietens im Profil zeigt und durch große Ähnlichkeit sich 
auszeichnet.
        
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