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I. Teil. Geschichte des Denkmals 6. Abschnitt. Rauchs Modelle und die Grundsteinlegung

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

Rauchs Modelle und die Grundsteinlegung. 
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über die künstlerische Gestaltung des Denkmals definitiv ein Ende 
gemacht, klar stand es jetzt in seinen Grundzügen vor aller Augen. 
Für den Künstler selbst hatten die jahrelangen Unterbrechungen den 
Gewinn, daß er sich in seine hohe Aufgabe immer mehr vertiefen und 
insbesondere die Architektur und den plastischen Schmuck immer reicher 
und schönheitsvoller durchbilden konnte. So schmerzlich auch das lange 
Warten und Hangen und Bangen für Rauch sein mußte, so ist doch 
nicht zu verkennen, daß das Denkmal zu seiner Riesengröße nur dadurch 
anwachsen konnte, daß jede Überhastung ausgeschlossen blieb und der 
Grundstein erst ein halbes Jahrhundert später gelegt wurde, als 
Friedrich die Augen geschlossen hatte. Möchte man dies doch auch 
bei der Errichtung des Kaiser Wilhelmmonuments bedenken! 
Nach zweimonatlicher Arbeit hatte Rauch ein neues Modell 
nach dem Wünschen des Königs vollendet und am 7. Juni ihm 
zugesandt. Das Postament war kleiner unb weit einfacher, als 
bei den zwei vorhergehenden Entwürfen. Die Eckreiter ivaren durch 
die allegorischen Gestalten der vier Herrschertugenden ersetzt: der 
Gerechtigkeit mit einem Kranich, der Stärke mit dein Löwen, der 
Bellona mit ihrem Wolf, und der Weisheit init der Sphinx?) Die 
unteren Langseiten des Postaments schmücken Bictorien und Trophäen, 
vorn sieht man die Muse der Geschichte und hinten die der Poesie, 
alles in Flachrelief. Die oberen Sockelreliess zeigen Allegorieen 
nach den bekannten und oft wiederholten Motiven der früheren 
Entwürfe. Die Reiterstatue entsprach der königlichen Vorschrift, 
nur hatte Rauch sich nicht entschließen können, ihr den Kommando 
stab zu geben; statt dessen läßt er den König die Rechte auf den 
Oberschenkel stützen, der Mantel ist frei umgeworfen. 
Nach der Ablieferung des Modells verstrich wieder ein Vierteljahr, 
ehe die königliche Entscheidung erfolgte. Am 4. September erst 
erhielt Rauch ein Schreiben des Ministers Grafen von Lottum, 
worin es hieß, der König ermächtigte ihn, mit der weiteren Aus 
führung des Denkmals vorzugehen, jedoch unter Berücksichtigung 
') Statt ihrer hatte Rauch ursprünglich die sogenannten vier Kardinal 
tugenden im Auge. darunter die Mäßigkeit mit einer» Kamel!
        
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