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I. Teil. Geschichte des Denkmals 5. Abschnitt. Die Denkmalsprojekte Schinkels und die ersten Entwürfe Rauchs

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

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Geschichte des Denkmals. 
statte Gillps, unter dessen großartiger Anregung sein Genius frei 
die Schwingen entfaltete. Einen sichtbaren Beweis aber des Ein 
druckes, den jener Entwurf auf ihn gemacht, bilden die Aquarell 
skizzen zu einem Friedrichsdenkmal, die er im Jahre 1797 noch vor 
feinem Eintritt bei Gillp vollendet hat?) Wir sahen schon, daß 
er auch später, ohne durch eine äußere Anregung dazu veranlaßt 
zu sein, die Denkmalsidee wieder aufgriff und im Jahre 1822 den 
schönen Quadrigaentwurf erdachte. Noch ein anderes Denkmals 
projekt von ihm ist in diesem Jahre entstanden; es stellt diesen ersten 
Quadrigaeutwurf in einer gewaltigen reichgeschmückten Nische stehend 
dar, die von einem Triumphbogen überspannt ist. Auch dieser Ent 
wurf sollte sich au der Stelle der Schloßapotheke erheben. 
Ich erivähne gleich hier die beiden andern uns noch erhaltenen 
Denkmalsentwürfe Schinkels, die wohl Mitte der dreißiger Jahre 
entstanden sind. Auf dem einen führt eine prachtvolle Freitreppe 
von 36 Stufen zu einer statuengeschmückten Plattform, auf der sich 
thurmhoch ein großartiger Hallenbau von drei Geschossen erhebt, ge 
bildet durch übereinander liegende korinthische Säulenhallen; in 
ihrem Innern sieht mau reiche Malereien. In der untersten Halle 
sitzt Friedrich in göttlicher Gestalt auf prächtigem Throne. Auf 
der Plattform des obersten Geschosses erhebt sich eine zur Auf 
nahme von Reliquien bestimmte Karpatidenhalle, über der auf einer 
Kugel die schöne leichte Gestalt einer Victoria schwebt. 
Der andere Entwurf besteht aus zwei Zeichnungen, die uns das 
oben beschriebene antike Reiterbild aus dem Jahre 1829 in Ver 
bindung mit einer viereckigen Säule zeige». Reliefs schmücken diese 
auf allen Seiten, die Spitze ist wiederum von einer Victoria gekrönt. 
Auf der einen Zeichnung ist außerdem der uns ebenfalls schon be 
kannte doppelte dorische Portikus beigefügt, der als Gedächtnishalle 
neben dem Ausgange der Schloßbrücke projektiert war. 
Die Denkmalsentwürfe Schinkels, die zweifellos zu dein Edelsten 
und Schönsten gehören, was der geniale Mann geschaffen hat, 
') Fontane a. a. O. II S. 152.
        
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