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Full text: Der Kirchenbau des Protestantismus und die protestantischen Kirchen in Berlin / Pfundheller, Heinrich (Public Domain)

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sehr zu Statten kämmt. Auch sind dadurch die Baukosten verringert. Eine 
eigenthümliche Holzdecoration verleiht außerdem der Kirche einen be 
sonderen Reiz. 
Die meisten Kirchen der Gegenwart hat in Berlin der Baurath 
Orth gebaut. Auch dieser Architect hat wesentlich zur Einbürgerung der 
genannten Bauart beigetragen. Eigenthümlich ist seinen Bauten die kühne 
Construction. Die Pfeiler sind ganz schlank gehalten, so daß sic 
weniger stören. 
Die Friedenskirchc in der Ruppinerstraße ist 1891 eingeweiht. Sie 
mußte auf einem nur 15 Meter breiten Grundstück im Laufe der Straßen 
front errichtet werden Der Architet hat seine sehr schwierige Aufgabe 
sehr gut gelöst. Die Borhalle und der Thurm au der Straßenfront 
charactcrisiren den Bau sofort als Kirche. Wegen der schmale» Bau 
fläche ist eine Saalkirche gebaut. Um die genügende Beleuchtung zu er 
möglichen, hat Oberlicht zu Hülfe genommen werden müssen, welches 
durch drei Ocffnungen hineinfällt. Die Stilformen sind gothische. 
Mit zu den Kirchen, welche die Bauart der Gegenwart begründeten, 
gehört die von Orth gebaute Zionskirche, welche 1873 geweiht wurde. 
Das Acußerc erinnert an die Thomaskirche. Im Innern ist das Kreuz 
in eine Centralanlagc umgewandelt. Ringsum, auch in dem Chor, zieht 
sich eine Empore. Die Kanzel steht am Beginn des Kreuzes. Ab 
gesehen von der Zwiespältigkeit dieser Bauart macht die Kirche einen guten 
Eindruck Die Bauformen sind die des romanischen und Uebergangsstils. 
Eine weitere Entwickelung der Zionskirchc ist die Dankeskirche 
auf dem Wedding, welche 1884 geweiht wurde. Sie ist auch von Orth 
in derselben Stilform errichtet. Die Centralanlagc des Kreuzes, welche 
Oberlicht hat, ist hier noch mehr betont, so daß das Langschiff nur als 
ein Anhängsel erscheint. 
Sehr ähnlich nach Grundplan und Stilform ist die von Orth ge 
baute Himmelfahrtskirche am Humboldtshain. Sie ist 1892 eingeweiht. 
Das Kreuz ist hier noch mehr centralartig ausgebaut und erhält von 
einem Dachreiter Oberlicht. 
Noch einen Schritt weiter geht derselbe Architect in der an der 
Schönhauser Allee gebauten Gethscmanekirche, welche ebenfalls kürzlich 
eingeweiht wurde. Sind die Formen ähnliche wie bei den vorigen Kirchen, 
so ist hier eine Neuerung versucht mit der Stellung von Kanzel und 
Altar. Die Kanzel, vor der sich ein Tisch für den Liturgen befindet, 
ist in die Mitte der Vierung vorgeschoben. Der eigentliche Altar steht 
hinter der Kanzel in der Nische der Apsis. Wie der Architect auf dem 
Kirchbaucongrcß ausführte, ist er auf diese Anlage durch die localen Ber-
	        
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