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Full text: Über evangelischen Kirchenbau mit besonderem Bezug auf Berlin / Dalton, Hermann

evangelische Bevölkerung Berlins und seiner Vororte, die 
um ihres Gewissens willen und zur Wahrung der Freiheit 
ihrer Gemeinderechte f8H3 die Staatskirche verließ, alles 
Eigentum an Kirchen, Schulen, Pastoraten und Gemeinde 
vermögen dran gab und kühnen, glaubensmutigen, opfer 
willigen Sinnes für alles aus eigenem Vermögen aufkommen 
mußte. Die wackeren Schotten haben die Aufgabe treu, un 
verzagt ausgerichtet, auch uns Berlinern ein köstliches Vorbild 
wie aus den Tagen der Apostel. Sie haben — um nur die 
eine Leistung hier hervorzuheben — in ein paar Jahrzehnten 
fünfhundert neue Kirchen gebaut, von dem Grundsätze ge- 
leitet, daß für je ßOO Seelen eine Kirche und ein Geist 
licher vorhanden sein müsse. Noch näher vielleicht liegt 
uns Berlinern das Vorbild, das vor mehr wie einem 
halben Jahrhundert die Riesenstadt London geboten. Auch 
da war, zumal in den grauenhaft übervölkerten, ärmsten 
Stadtteilen ein erschreckender Notstand an Kirchen und 
seelsorgerlicher Verpflegung eingetreten. s83H erließ der 
Bischof von London, der auf jede 6000 Seelen eine Kirche 
forderte, einen Aufruf, zunächst für einen bestimmten Be 
zirk Londons fünfzig neue Kirchen zu bauen. Nach noch 
nicht zehn Jahren hatte der Bischof die Freude, in diesem 
Bezirke die fünfzigste, aus freiwilligen Beiträgen erbaute 
Kirche einzuweihen. Am schlimmsten daran war in diesem 
Bezirk der Kirchsprengel von Bethnal-Green, für 72000 
Eingepfarrte nur zwei Kirchen! Das galt den Thristen 
in London als ein unerhörter, heidnischer Zustand. Und 
wir hier in Berlin bleiben ruhig und scheinbar müßig bei 
zwei Gemeinden mit je nur einer Kirche und die eine 
Gemeinde hat 20000, die andre gar H8000 Seelen mehr 
wie Bethnal-Green in seiner kirchlich verwahrlosesten Zeit! 
Es bildete sich für den vernachlässigten Sprengel ein be-
        
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