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Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul

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die offenen Bogenhallen und plastischen Zierraten erfüllen noch heute 
den Architekten mit staunender Bewunderung. 
Das hier Geleistete zu erreichen, geschweige denn zu überbieten 
konnte einer so viel geringeren Kraft wie dem Freiherrn Eosander, 
dem eifersüchtigen Nebenbuhler des grossen Meisters nicht gelingen, 
der, nachdem letzterer infolge seines bei Errichtung des Münzturmes 
erlittenen Missgeschicks aus der Gunst des Königs gefallen, als 
Schlossbaumeister an seine Stelle trat. Dies zeigt sich in den 
Einzelheiten des Anbaus, den er nach der Schlossfreiheit zu im 
Aufträge des Monarchen anfügte, wie an dem grossen Portal der 
Westfacade, welches, dem römischen Triumphbogen des Septimius 
Severus nachgebildet, bei allem Pomp doch die grandiose Schöpfer 
kraft eines Schlüter vermissen lässt. Was dieser zugleich in geist 
voller Verbindung des Architektonischen und Plastischen vermochte, 
dafür zeugen beredt die von ihm herrührenden Innenräume des 
Schlosses, das reich geschmückte östliche Treppenhaus, die König 
lichen Staatszimmer mit ihren Prachtdecken, die rote Drap d’or- 
Kammer und vor allem der Rittersaal, in dem die vier allegorischen 
Gruppen der Erdteile den Meister auch als Bildhauer auf seiner 
vollen Höhe zeigen. 
Bis in das gegenwärtige Jahrhundert hinein erstreckte sich die 
innere und äussere Ausgestaltung des imposanten Bauwerks. Unter 
dem kunstsinnigen König Friedrich Wilhelm IV. ward auf Grund 
lage der freilich modisizirten Schinkel’sehen Entwürfe an der West 
front die achteckige Schlosskapelle, in polychromer Marmorverklei 
dung und reichem Bilderschmuck prangend, von Stüler und Al 
bert Schadow ausgeführt mit ihrer stolzen Kuppel, die so mäch 
tig zur äusseren Gesammtwirkung des Schlosses beiträgt. Der 
sog. weisse Saal, der grösste der sämmtlichen Festräume, in wel 
chem ausser zwölf Marmorstatuen der Hohenzollernschen Kurfürsten 
Rauch’s herrliche Victoria ihren Platz gesunden, gelangte eben 
falls erst unter dem genannten Monarchen zum Abschluss, und noch 
gegenwärtig sind weitere Arbeiten im Werke, wie die bildnerische 
Ausstattung der Portale, an deren einem, dem der Kurfürstenbrücke 
zunächst gelegenen, vier allegorische Figuren von Manthe und 
^ Encke als die letzten Kunstwerke, die Kaiser Friedrich in Auftrag 
gab, wehmütige Erinnerungen wachhalten werden. 
Es würde weit über die hier gezogenen Grenzen hinausgehen, 
wollten wir der blendenden Fülle all der Kunstwerke, die sich an und 
namentlich in dem Schlosse dem Auge darbieten, gebührend ge-
        
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