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Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul

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Arbeit, die er mit grösstem Interesse begleitete, mehr und mehr 
überzeugen. Vollkommen in seinem Sinne gedieh das Modell zu 
der herrlichen Gestalt heran, schlicht und hehr, königliche Hoheit 
innig vereinigend mit der seelischen und körperlichen Anmut der 
geliebten Gattin, und als dann 1815 die zu Rom in edlem carrari 
schen Marmor vollendete Statue auf dem wappengeschmückten 
Sarkophag ihre Aufstellung gefunden, hatte sich damit eines jener 
Ereignisse vollzogen, welche die Kunstgeschichte als Höhepunkte 
ganzer Entwicklungsperioden verzeichnet. 
Das hier Geleistete zu überbieten war dem gefeierten Meister — 
von dessen grossartiger Thätigkeit übrigens das nach ihm benannte 
Museum in der Klosterstrasse zu Berlin mit seinen zahlreichen Modellen 
und Entwürfen ein Bild giebt — in dem nach mehr als dreissig 
Jahren von ihm hinzugefügten Denkmal Friedrich Wilhelms III. 
nicht möglich. Gleichwohl gelang es ihm auch hier ein Werk zu 
schaffen, das stets zu den besten Leistungen der deutschen Portrait 
bildnerei zählen wird, und in den beiden Kandelabern, von den^n 
der eine mit den Reliefgestalten der drei Parzen gleichfalls von 
Rauch, der andere mit den lieblichen Horen von dem befreundeten 
Friedrich Tieck stammt, erhielt der weihevolle Raum eine weitere 
köstliche Zierde, durchdrungen von demselben Schönheitsgefühl, das 
sich, in den herrlichen Grabmonumenten ausspricht. 
Es ist bemerkenswert und lehrreich, dass einer der namhaftesten 
Vertreter der Berliner Malerei, Anton von Werner, einen seiner 
glänzendsten und nachhaltigsten Erfolge mit jenem tief ergreifenden 
Bild errang, welches den greisen König Wilhelm I. vor seinem 
Aufbruch zur Armee bei den Denkmälern der erlauchten Eltern an 
dächtig weilend zeigt und so zwei der glorreichsten Epochen aus 
Deutschlands Vergangenheit zusammenfasst. Auch hier bewährt 
sich wieder schlagend, dass echte Kunst, die aus dem Geiste ihrer 
Zeit und ihres Volkes emporgeblüht, stets zeugungskräftig, neue 
Schönheitskeime weckend fortwirkt. Und so findet es denn auch 
seine natürliche innere Erklärung, das rege und gesegnete künstle 
rische Schaffen der deutschen Reichshauptstadt, das diese Blätter 
in seinen Hauptzügen zu schildern versuchten, und wohlbegründet 
ist es auf seine Zukunft zu bauen im Hinblick auf die Leistungen 
der Vergangenheit, die so beredt und eindringlich jedes wahre Talent 
zu rüstiger, kraftstählender Nacheiferung ermahnen.
        
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