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Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul

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hellen Sandsteinverkleidung- des obersten Stockwerks, die reiche 
bildnerische Ausstattung, an der sich Kräfte wie Karl Begas, 
Encke, Hundrieser u. a. beteiligten — Alles vereinigt sich zu 
einem Eindruck von seltener Hoheit und Würde, dem das Innere 
des riesigen Gebäudes, vorab das Vestibül, die Aula und der pracht 
volle Arkadenhof die Wage hält. 
Flora. An der grossen Parkanlage der Flora vorbei, deren an roma 
nische Formen sich anschliessender Saalbau von Hubert Stier 
ebenso wie der entzückende Blumenflor bei einiger Müsse der Be- 
Chariotten- sichtigung warm zu empfehlen, kommt man zum Königlichen Schlosse, 
Schloss ^as *^95 ^r die l^Rrfürstin, nachmalige Königin Sophie begonnen 
und 1699 eingeweiht ward. Der Mittelbau, der von Andreas 
Schlüter herrührt, kam leider nicht ganz in der von diesem ge 
planten Pracht zur Ausführung und wurde durch die später von 
Eosander hinzugefügte Kuppel und die Seitenflügel in seiner Wir 
kung etwas beeinträchtigt. Von hohem kunstgeschichtlichen Inter 
esse sind die reich ausgestatteten Innenräume, besonders die plasti 
schen Dekorationen Schlüters im Hauptbau und die von Knobels- 
dorff stammenden Räumlichkeiten des rechten Flügels, in denen 
das französische Rokoko eine so bestrickende Grazie entfaltete, dass 
sogar aus Dresden, der Hauptpflegestätte dieses Stils, Architekten 
zum Studium herbeieilten. 
In enger Harmonie mit dem Schlossbau, an welchen sich nebst 
anderen historischen Erinnerungen das schmerzliche Gedächtnis an 
die Leidenstage Kaiser Friedrichs knüpft, steht der angrenzende 
Park, der nach Entwürfen des Pariser Gartenkünstlers Le Nötre 
angelegt wurde, ein Lieblingsaufenthalt der Charlottenburger und 
Berliner Bevölkerung. Doch wie schön es sich auch wandelt und 
träumt in den schattigen alten Laubgängen, die üppige Pracht der 
Natur bildet doch nur die Folie für jene abseits vom Hauptweg 
gelegene weihevolle Stätte, in welcher jedes deutsche Herz mit 
inniger Andacht, mit stolzem Hochgefühl erfüllt wird. Wir hatten 
vielfach Gelegenheit, den hervorragenden Anteil wahrzunehmen, der 
dem vaterländischen Element in dem älteren und neueren Berliner 
Kunstschaffen zugefallen; wohl nirgends aber wirkt es mächtiger 
und überwältigender als indem kleinen dorischen Tempelbau, dem 
Mausoleum. Mausoleum, das Friedrich Wilhelm III. durch Heinrich Gentz 
für seine edle Gemahlin hier errichten liess und in dem er selbst 
wie unlängst auch sein grosser Sohn, der ruhmreiche Wiedererwecker 
der deutschen Kaisermacht, seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
        
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