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Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul (Public Domain)

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nur ein hervorragendes Gebäude, das in der Breitenstrasse gelegene 
Haus des Ritters Georg VON Ribbeck, aufzuweisen, so ist dagegen 
Königliches der Barockstil durch das weitberühmte Königliche Schloss in glanz- 
Schioss. vollster Weise vertreten. Dies ist das Bauwerk, das in der älteren 
Kunstentwicklung Berlins unzweifelhaft den ersten Rang behauptet 
und dem wir daher eine etwas eingehendere Betrachtung zu widmen 
haben. 
Von dem ältesten Bau, der durch den Markgrafen Frieidrich II. 
1443 in der damaligen Stadt Kölln am Spreeufer begonnen und 
1451 vollendet wurde, hat sich bis heute der sogenannte „grüne 
Hut“, ein von der Flussseite her zum. Teil noch sichtbarer runder 
Turm, erhalten. Unter Georg Wilhelms Regierung mehr und 
mehr verfallend, wurde die Burg, der Caspar Theiss unter Joachim II. 
und der italienische Ingenieur Graf Lynar unter Johann Georg neue 
Teile angefügt hatten, vom Grossen Kurfürsten noch mitten in den 
Stürmen des Krieges wieder hergestellt und dann der Bau nach 
mehrfachen Unterbrechungen von 1681 an mit Eifer weitergefördert. 
Eine umfassende Neugestaltung erfuhr er unter dem prunkliebenden 
Kurfürsten Friedrich III., nachmaligem König Friedrich I., der den 
genialen Andreas Schlüter 1699 mit der Aufgabe betraute, den 
vorhandenen Gebäudekomplex zu einem künstlerisch durchgebildeten 
prächtigen Ganzen umzuwandeln. Der hohe Geist dieses Meisters, 
der an Kühnheit des Strebens und gewaltiger Schwungkraft mit dem 
eines Michelangelo wetteiferte, ist dem Bauwerk, wie es sich heute 
den Blicken darbietet, deutlich aufgeprägt. So manches zwar, was 
er geplant, gelangte nicht zur Ausführung, da einerseits die alten 
Bestandteile des Baues möglichst geschont werden sollten, anderer 
seits spätere Projekte seine ursprünglichen Entwürfe verdrängten. 
Doch allen Hindernissen zum Trotze schuf der unsterbliche Meister 
in einer Zeit, da der Mehrzahl der deutschen Künstler ein 
sicheres Stilgefühl abhanden gekommen, in Anlehnung an die 
Vorbilder des klassischen Altertums und der italienischen Re 
naissance ein Werk, von dem ein neuerer Kunstschriftsteller mit 
Recht urteilt, dass es innerhalb eines Zeitraumes von mehr als 
einem Jahrhundert an Grossartigkeit der Konzeption, an Vielseitig 
keit der Ideen, Schönheit und Mannichfaltigkeit der einzelnen Motive 
^ in Deutschland einzig dasteht. Die wunderbar fein abgewogenen 
Verhältnisse der beiden Langfronten mit ihrem würdevollen, majestä- 
/ tischen Charakter, der grosse innere Hof, dessen Hauptrisalit an 
der Ostfront mit seinen mächtigen korinthischen Säulen und Pilastern,
	        
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