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Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul

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es zur Widerlegung' desselben genügen, das soeben besprochene 
Gebäude mit dem benachbarten, 1877 — 81 von Grofius und 
Kunst- Schmieden errichteten Kunstgewerbemuseum zu vergleichen, das 
gewerbe- igjder vorläufig, solange die geplante Durchlegung der Zimmerstrasse 
nicht verwirklicht, in seiner architektonischen Bedeutung nur mangel 
haft zur Geltung kommt. Im Gegensatze zu der strengen Form 
behandlung des Museums für Völkerkunde welch reicher, alle Mittel 
moderner Technik sich dienstbar machender Stil, wie er so trefflich 
einer Sammlung angemessen, welche die Entwickelung kunstgewerb 
licher Thätigkeit kennen zu lehren bestimmt ist. Ueberall Heiterkeit 
und Eleganz, in jeder Einzelform Anmut und Zierlichkeit; der po 
lychrome Wechsel, der durch die Naturfarben der verschiedenen 
Baustoffe erzielt ist, wird noch gesteigert durch die in gelblichem 
und farbig glasirtem Thon hergestellten Ornamente, bie bronzirten 
Sphinxkapitelle der die Fenster des ersten und zweiten Stockwerks 
teilenden Pilaster und die herrlichen Glasmosaiks, in denen nach 
Entwürfen Ewalds und Geselschaps, von leuchtendem Goldgrund 
sich abhebend, die Hauptkulturepochen in grossen Einzelfiguren 
verkörpert sind, ein Motiv, welches der farbig bemalte Relieffries 
des Lichthofs in ausführlicherer Behandlung weiterspinnt. Dazu der 
plastische Giebelschmuck über dem Hauptportal und auf den Treppen 
wangen die sitzenden Kolossalfiguren Peter . Vischers und Hans 
Holbeins von der Hand Sussmann-Hellborns — fürwahr ein ju 
belnder Zusammenklang der verschiedenen Künste zu lautem Zeugnis 
dafür, dass die Zeiten vorüber, in denen das Kunstgewerbe ziel- 
und führerlos als vernachlässigtes Aschenbrödel sich hinfristete. 
Auf die reichhaltigen Sammlungen selbst näher einzugehen, die 
in jedem einschlägigen Fache der ausübenden Praxis wie der 
wissenschaftlichen Forschung einen unversieglicben Born erlesenster 
Vorbilder und lehrreichster Studienobjekte darbieten, oder gar die 
Wirksamkeit der mit dem Museum verbundenen Lehranstalten zu 
beleuchten, würde allzuweit von den nächsten Zwecken dieser Skizze 
abführen. Wem es vergönnt ist, tiefere Einblicke in die Anstalt zu 
thun, wird ohne Zweifel die Ueberzeugung gewinnen, dass hier ein 
Organismus geschaffen ist, der keinen Vergleich mit dem Auslande 
zu scheuen braucht und weit über die Grenzen der Reichshauptstadt 
hinaus die segensreichsten Einflüsse äussert. 
Was heischte noch alles Besprechung oder doch Erwähnung, 
wenn es sich darum handelte, einen halbwegs vollständigen Ueber- 
blick der neueren Bauthätigkeit Berlins zu geben! Schöpfungen wie
        
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