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Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul

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Schauspiel- Schinkels, das 181Y—2i entstandene Königliche Schauspielhaus, 
haus. -welches die Berliner Architektur an die Spitze der klassizistischen 
Bestrebungen stellte. Auch hier ist es wieder die reine griechische 
Formenwelt, deren sich der Künstler bediente, die er jedoch den 
gegebenen praktischen Bedingungen — Bedingungen äusserst kompli- 
zirter Natur — in genialer Weise anpasste. Aus der schwierigen 
Aufgabe, einen Theaterraum, eine Menge Requisiten- und Geschäfts 
räume zu vereinigen, entwickelte Schinkel die ebenso klare wie 
belebte Massengliederung, den wirkungsvollen pyramidalen Aufbau, 
der durch den giebelbekrönten mittleren Hauptteil erzielt wird. 
Und welches schöpferische Gestaltungsvermögen offenbart sich in 
der den praktischen und formalen Gesichtspunkten gleich angemessenen 
Pfeilerarchitektur, durch welche die erforderlichen Lichtöffnungen in 
so ausgiebigem Maasse geschaffen wurden, wie es in keinem alt 
klassischen Muster vorgebildet! Die jonische Säulenvorhalle, zu der 
die leider nicht benutzte breite Freitreppe, geziert von den lieb 
lichen beiden Genien Tiecks, emporführt, der herrliche Skulpturen 
schmuck der Giebelfelder, die Dachfirst- und Eckfiguren, verleihen 
dem Gebäude ein so festliches Gepräg^, eine bei aller Stilreinheit 
doch so malerische Wirkung, dass es mit den umgebenden beiden 
Kirchenbauten aus dem vorigen Jahrhundert in harmonischster Weise 
zusammenstimmt. Es ist dies ein um so schwerer wiegendes Ver 
dienst des Architekten, als die beiden Kuppeltürme, mit denen 
Friedrich der Grosse durch Carl von Gontard dieselben ver 
sehen liess, wohl das effektvollste bezeichnen, was Berlin in deko 
rativer Hinsicht aufzuweisen hat. Um den malerischen Reiz, die 
entzückende Profilirung der drei Gebäude und ihren innigen Ein 
klang voll würdigen zu lernen, muss man den Platz an einem klaren 
Abend aufsuchen, wenn sie vom Mondschein umflossen sich in 
scharfer Silhouette vom Himmel abheben. 
Nur flüchtig streifen können wir, indem wir uns durch die 
Jerusalemer Strasse dem gärtnerisch reichgeschmückten Dönhofs- 
platze zuwenden, das daselbst gegenüber dem preussischen Ab 
geordnetenhause befindliche, frei und gross konzipirte Standbild des 
Freiherrn vom Stein von Schievelbein und Hagen mit seinen 
vier klassisch edlen Sockelfiguren und Reliefdarstellungen aus der 
Zeit der Befreiungskämpfe, nur kurz hinweisen auf das grossartige 
Industriegebäude Franz Schwechtens an der Beuth- und Komman 
dantenstrasse mit seinen prächtigen P'acaden und Innenräumen, um 
nunmehr eine der Hauptverkehrsadern, die Leipziger Strasse, zu
        
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