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Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul (Public Domain)

3 6 S>-° 
Bibliothek. 
Hedwigs 
kirche. 
Universität. 
unter Benutzung der Umfassungsmauern wieder herstellte. Mit dem 
korinthischen Portikus vereinigt sich der plastische Schmuck, unter 
dem besonders Rietschels edle Giebelgruppe bemerkenswert, zu 
einem vornehmen künstlerischen Gesammteindruck. 
Ueber die Königliche Bibliothek auf der andern Seite des Platzes 
hat der Berliner Volkswitz mit der Bezeichnung „Bücherkommode“ 
ein Urteil gefällt, das in Anbetracht der Facade nur zu berechtigt 
erscheint, mag auch die Anekdote auf sich beruhen, dass der 
königliche Bauherr Friedrich der Grosse ein solches Möbel im 
Rokokostil als Modell für das Gebäude angewiesen habe. Bekannt 
ist freilich, wie diktatorisch derselbe bei baulichen Unternehmungen 
oft seine dilettantischen Einfälle durchsetzte und wie sehr darunter 
bisweilen die Bürger zu leiden hatten, denen er auf seine Kosten Wohn 
häuser erbauen liess, wenn es auch nicht allen so schlimm erging 
wie dem biederen Eigner des heute noch in der Alexanderstrasse 
stehenden Hauses, dem der Wunsch nach Verzierungen durch An 
bringung von 99 Schafsköpfen an der Facade erfüllt ward, mit dem 
kaustischen Bemerken, dass, um das Hundert voll zu haben, der 
glückliche Besitzer nur das eigene Haupt durchs Fenster zu stecken 
brauche. 
Das wirkliche Vorbild des Bibliotheksgebäudes, dessen groteske 
Inschrift „Nutrimentum Spiritus“ von dem Obersten Quintus Icilius 
herrühren soll, ist die Reitschule der Wiener Hofburg, wenigstens 
für die beiden Eckpavillons, wie schon 1776 P. H. Millenet in seinen 
„Kritischen Anmerkungen, den Zustand der Baukunst in Berlin und 
Potsdam betreffend“ hervorhob. 
Der katholischen Hedwigskirche, die in Verbindung mit Heims 
palastartigem Hochrenaissancebau der Dresdener Bank den Platz 
nach Süden hin abschliesst und 1747 — 73 nach einer Zeichnung 
Friedrichs des Grossen aufgeführt wurde, liegt in der Hauptsache 
das Muster des römischen Pantheons zu Grunde, mit dem sie frei 
lich den Vergleich nicht aushält. In jüngster Zeit hat sie durch 
Hinzufügung der Laterne und des Kreuzes und im Innern durch 
neue Altäre, Malereien u. s w. wesentliche Verschönerungen erfahren. 
Gegenüber dem Opernplatz fällt der Blick auf das stattliche 
Universitätsgebäude, welches ursprünglich dem Prinzen Heinrich, 
dem Bruder Friedrichs des Grossen, als Palast dienend, auf Knobels 
dorffs Plan zurückgeht, doch von Boumann d. A. ausgeführt wurde. 
Von dem erstgenannten Architekten, dessen reicher Begabung auch 
Charlottenburg und Potsdam so viel verdanken, sollte Anfangs ein
	        
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