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Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul

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Kaiser Wilhelm I., testamentarisch vermacht; durch weitere 
Schenkungen, Ueberweisung zahlreicher Gemälde aus königlichem 
Besitz und fortgesetzte Erwerbungen ist die Zahl der Bilder all 
mählich auf ungefähr 700 angewachsen. 
Es begreift sich leicht, dass die National-Gallerie unter allen 
hiesigen Sammlungen die grösste Anziehungskraft auf Einheimische 
und Fremde ausübt. Entspricht sie doch ihrem Namen nicht nur 
insofern, als sie fast ausschliesslich den Schöpfungen deutscher 
Kunst zur Herberge dient, sondern auch dadurch, dass in den hier 
vereinigten Gemälden, namentlich den neueren, in gegenständlicher 
Hinsicht das nationale Element ein erfreuliches Hebergewicht be 
hauptet, so dass der Beschauer allenthalben deutsche Art und Sitte, 
deutsche Schicksale und Thaten verkörpert findet. Wie herz 
erfreuend und vertraut wirken gegenüber jenem zerfahrenen Kosmo 
politismus, in welchem sich die meisten deutschen Historienmaler 
bis über die Mitte dieses Jahrhunderts befangen zeigten, die vater 
ländischen Schilderungen Altmeister Menzels, das durch Verviel 
fältigungen zu so verdienter Popularität gelangte Flötenkonzert und 
die Tafelrunde Friedrichs des Grossen zu Sanssouci, oder Julius 
Scholtz’ Begrüssung der Freiwilligen zu Breslau durch Friedrich 
Wilhelm III., Feodor Diez’ greiser Blücher auf dem Marsche nach 
Paris, die packenden Darstellungen des Königgrätzer Schlachtfeldes 
von Otto Heyden und G. Bleibtreu, Camphausens Schilderung 
der erstürmten Düppeler Schanzen, das lebensfrische Bild, in welchem 
Adolf Menzel die Abreise König Wilhelms zur Armee verewigte, 
die markigen Episoden, in denen Adam und Hünten das Gedächtniss 
an den letzten grossen Krieg festhielten! 
Und unter den Bildnissen, welch glänzende Reihe von Gestalten, 
bei deren Anblick jedem deutschen Patrioten das Herz aufgeht, der 
sich stolz als Glied des Volkes empfindet, aus dessen Mitte solche 
Männer hervorgegangen! Allen voran das lebensgrosse Portrait 
des verewigten Kaisers Wilhelms I. von Plockhorst — von dem 
zugleich das zugehörige Pendant, Kaiserin Augusta —, Fürst Bis 
marck und Graf Moltke, von Lenbachs Meisterhand mit unüber 
trefflicher Wahrheit auf die Leinwand gezaubert, Graf Roon, von 
Blumenthal, von Manteuffel und andere Kriegshelden von Graf, 
Gustav Richter und Angeli, die beiden Gelehrtenportraits von 
Ludwig Knaus und das sympathische Antlitz Gustav Freytags 
von Stauffer-Bern — erfreuliche Zeichen, dass auch in Deutschland 
das Bewusstsein der Pflicht sich Bahn gebrochen, den Besten der
        
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