Path:
Text

Full text: Berlin als Kunststadt / Schönfeld, Paul (Public Domain)

»-'S 14 S > — 0 
ihre Arbeit als Selbstzweck zu behandeln, so dass die Kunstwerke 
dabei zu sekundärer Bedeutung herabrücken. Ganz anders Schin 
kel, in dessen Räumen sich alles und jedes dem Zwecke fügt, 
für die Kunstwerke eine angemessene, ruhige Folie zu schaffen, 
keine anspruchsvoll sich vordrängenden Formen und Farben die 
Aufmerksamkeit von der Hauptsache ablenken. Das Verdienst dieser 
weisen Selbstbeschränkung tritt recht deutlich zu Tage beim Ver 
gleich mit dem Neuen Museum, in welchem StÜLER bei aller Treff 
lichkeit der Raumdisposition sich zu einer Prachtfülle verleiten liess, 
/ welche das Interesse des Besuchers zersplittert und die ausgestell 
ten Kunstwerke zum Teil erheblich beeinträchtigt. 
Dass die Errichtung dieses zweiten Gebäudes nötig wurde, 
liegt in dem Uebelstande, dass Schinkels Bau in viel zu kleinem 
Maassstab angelegt war, um dem raschen Anwachsen der Samm 
lungen zu genügen, welches sich damals freilich kaum ahnen liess. 
Man hielt ihre Entwickelung wie diejenige Berlins im Wesentlichen 
für abgeschlossen und verabsäumte daher jede Vorkehr für die Be 
dürfnisse der Zukunft. Die Nähe des unter Friedrich Wilhelm IV. 
geschaffenen neuen Baues, der mit dem älteren durch einen über 
der Strasse angebrachten Gang verbunden ward, machte übrigens 
im oberen Geschoss des Alten Museums durchgreifende Umände 
rungen auf der Nordseite nötig, um den daselbst befindlichen Ge 
mälden ausreichende Beleuchtung zuzuführen, und erst um Mitte 
dieses Jahrhunderts boten sich sämmtliche Räumlichkeiten in dem 
zweckentsprechenden und würdigen Zustande dar, der in Verbindung 
mit der sachgemässen, von möglichst streng gewahrten historischen 
Bilder- Gesichtspunkten bestimmten Anordnung der Bilder diese Sammlung 
gallerie. e ine rnustergiltige erscheinen lässt, mag sie auch, was die Zahl 
erster Werke von der Hand hervorragendster Meister betrifft, von 
denen zu Paris, Wien, Dresden und anderen übertroffen werden. 
Waren für den Ankauf von Werken wie RAFFAELS Sixtinischer Ma 
donna oder Schöpfungen des Lionardo u. s. w. bei der späten 
Begründung der Berliner Gemäldegallerie die Zeiten unwiederbring 
lich dahin, so wurde dieser Nachteil doch ausgeglichen durch die 
y Vollständigkeit der einzelnen Kunstperioden und Schulen, welche 
/ durch die planmässigen Erwerbungen nach historischen Grundsätzen 
erzielt ward und dem Kunstfreunde mehr als irgend eine andere 
Sammlung die Möglichkeit gewährt, ein Bild von der gesummten 
Entwickelung der Malerei zu gewinnen. Die Hämische Schule von 
den durch das hochberühmte Center Altarwerk vertretenen Brüdern
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.