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Rundgang durch das Reichtags-Gebäude

Full text: Das Reichstagsgebäude / Rapsilber, Maximilian

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Karyatiden und durch die decente Vergoldung einzelner Ornament 
theile feinsinnig variirt. Besonders hervorzuheben sind noch die 
reichen und schweren Schnitzereien am Tisch des Hauses, an der 
Redner- und Präsidententribüne, sowie an den Brüstungen der Estrade. 
Von auffallender Schönheit ist der hochragende Präsidentenstuhl, an 
der Lehne ist ein zierliches nacktes Weib, die Gerechtigkeit mit der 
Wage, in einem Relief dargestellt. Zwei Berliner Tischlerfirmen 
haben nach den detaillirten Zeichnungen Wallot’s die Holzarbeiten 
des Sitzungssaales ausgeführt, und zwar G. Olm die Ost- und West 
wand sowie die Stühle und Pulte und Gebr. Lüdtke die Nord- und 
Südwand und die Schranken der Estrade. Die Bildhauerarbeiten 
sind von Vogel und Giesecke modellirt. Die Zuhörertribünen ent 
halten an der Westseite 244 Plätze für das Publikum und die Behörden, 
an der Südseite besitzt die Presse 81 Plätze und der Bundesrath 
14 Sessel. Die Hof- und die Diplomatenlogen befinden sich an der 
Nordseite, jene weist 13 und diese 19 Lehnsessel auf. In innigem 
Zusammenhang mit der Hofloge stehen die beiden kaiserlichen Salons 
im Zwischengeschoss. Die Ausstattung ist eine glanzvolle, ohne dass 
das feine Maass überschritten ist. Die Wände erglänzen in mehrfarbigem 
Stuckmarmor, die Kapitale, Embleme, Gesimse und Kartuschen sind 
reich vergoldet und die Kamine bestehen aus Marmor. Die ge 
schmackvollen Möbel von Ferd. Vogts & Co. sind aus kostbarem 
Neu-Guineaholz aus den deutschen Kolonien gefertigt. 
Die Nebengeschosse treten in der künstlerischen Ausstattung 
begreiflicher Weise hinter dem Hauptgeschoss zurück. Der Regierungs 
baumeister Paul Wittig, der, wie schon erwähnt, 1890 den inneren 
Ausbau der Nebengeschosse übernahm, hat bei seinen Arbeiten aus 
gebotenen Sparsamkeitsrücksichten sich nur in engen Grenzen bewegen 
dürfen. Diese Aufgabe war insofern eine schwierige, als mit ver- 
hältnissmässig geringen Mitteln doch die monumentale Würde des 
Hauses zur Geltung zu bringen war. Es ist ein hohes Verdienst 
Wittig’s, dass auch in den Geschäfts- und Wirthschaftsräumen der 
grosszügige Charakter, der der Wallot’sehen Schöpfung aufgeprägt 
ist, aufgenommen und mit bestem Gelingen durchgeführt ist.
        
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