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Rundgang durch das Reichtags-Gebäude

Full text: Das Reichstagsgebäude / Rapsilber, Maximilian

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denjenigen des alten Sitzungssaales im provisorischen Reichstags- 
Gebäude. Auch die Einrichtungen, die sich im alten Hause bewährt 
haben, sind auf das neue übertragen worden. Die im Bauprogramm 
vorgeschriebenen Grössenverhältnisse des Saales gehen bis an die 
äusserste Grenze der Tragfähigkeit der menschlichen Stimme. Trotz 
dem ist eine günstige Akustik erzielt worden. Doch die Grösse des 
Saales möchte fast übertrieben erscheinen, wenn man sich vergegen 
wärtigt, dass der englische Parlamentssaal nur halb so gross ist als. der 
deutsche, obwohl die Zahl der englischen Abgeordneten beträchtlich 
grösser ist als die der deutschen. Ausser der erhöhten Präsidenten 
tribüne mit fünf Sesseln sind auf der Estrade an der Ostwand 
48 Plätze für Regierung, Bundesrath etc. angeordnet. Für die Ab 
geordneten sind 400 Sitzplätze mit Schreibpulten geschaffen. Acht 
grosse Radialgänge führen strahlenförmig vom Tisch des Hauses 
durch die Sitzreihen hindurch, dazu kommen noch sieben kürzere 
Gänge, die in der westlichen Hälfte des Saales zwischen den Haupt 
linien eingelegt sind. Nirgends sind mehr als fünf Sitze zusammen 
hängend. Die Steigung des Bodens ist im Verhältniss von 1 : 10 
durchgeführt. Unmittelbar vor der Rednertribüne und hinter dem 
Tisch des Hauses befinden sich, durch Schranken abgegrenzt, zwei 
Pulte für sechs Stenographen, die auf einer besonderen Treppe aus 
dem Erdgeschoss an ihren Platz gelangen, ohne, wie früher, den 
Sitzungssaal durchqueren zu müssen. Elf Eingänge besitzt der Saal 
zusammen. Um eine gute Akustik zu erzielen, war es nothwendig, 
dass der Sitzungssaal mit Ausnahme natürlich der Glasdecke gänzlich 
mit Holz bekleidet wurde. Gewählt ist Eichenholz mit Einlagen aus 
ungarischer Esche, auch die Tribünen und die Skulpturen sind aus 
gleichem Material. Nur an der Wand oberhalb des Präsidentenstuhls 
sind drei grosse Flächen ausgespart, auf welchen später Fresco- 
gemälde mit historischen Darstellungen aus der Zeit der Reichs 
gründung erstehen werden. Auffällig ist es, dass an dieser Ostseite 
die Ausstattung weniger reich ausgebildet ist, vorläufig fehlen hier 
noch wesentliche von Wallot geplante Schmuckstücks, namentlich 
Figuren in den Nischen, Wappen, ornamentale Zierrathe für die
        
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