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Rundgang durch das Reichtags-Gebäude

Full text: Das Reichstagsgebäude / Rapsilber, Maximilian (Public Domain)

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ausgebildeten Centralpunkt und dem Verkehr dienen die an das 
Vestibül gereihten langgestreckten Vorsäle. Die Architektur der öst 
lichen Vorhalle ist ihrer Bestimmung gemäss in majestätischen 
Dimensionen gehalten. Die sacht ansteigende dreiarmige Treppe hat 
eine pompöse Breite, riesige Kugeln liegen auf den Geländerpfosten. 
An den Treppenwangen blicken strenge Reliefs, Krieg und Frieden 
darstellend, dem Eintretenden entgegen, eine Arbeit Widemann’s. 
Glatt und grossflächig, mit scharfen Profilen steigen die gewaltigen 
Wände empor, der hier verwendete Warthauer Sandstein hat einen 
hellgrauen kalten Ton, was nicht zum Wenigsten zu dem hoheits 
vollen Eindruck der Halle beträgt. Ein Sinnbild unendlicher Kraft 
sind die beiden Säulenpaare seitwärts der Treppe; wie das Kaiser 
thum auf den vier Königreichen ruht, so auch die riesig gedehnte 
Kreuzwölbung auf den Säulen. Ein aus Schmiedeeisen gefertigter 
Adler von prächtiger Stilisirung fesselt den Blick des die Treppe 
Emporschreitenden, von der Höhe der Westwand schauen in den 
ernsten Köpfen die Vertreter der Stände den kommenden Fürsten, 
mahnend gleichsam, entgegen, und zwar die Personifikationen des 
Handels, der Landwirthschaft, der Ritterschaft, Geistlichkeit, der 
Wissenschaft und des Handwerks. In das Innere des Hauses führen 
die beiden reich geschmückten Portale, deren Gepräge schon auf die 
dahinterliegenden Räume deutet. Die die Eingänge flankirenden 
Säulen heben als Repräsentanten der Königreiche vier Kinderfiguren 
hoch empor, deren Obhut die Reichsinsignien anvertraut sind. Preussen 
ist mit dem Schwert, Bayern mit der Krone, Sachsen mit dem Scepter 
und Württemberg mit dem Reichsapfel dargestellt. Ueber dem Portal 
sturz befindet sich ein Schild mit dem Reichsadler und die Reichs 
krone hebt sich auf dem Gipfel des Bildwerks wirkungsvoll von der 
den Hintergrund bildenden Fensterfläche ab. Diese Portale haben 
O. Lessing, der im Gegensatz zu Widemann für eine gefällige 
Eleganz beanlagt ist, zum Urheber. Der erste Blick nach dem 
Eintritt durch die Portale fällt auf beiden Seiten auf eine zu den 
Zuhörerlogen emporführende Treppe. Das vergoldete Geländer der 
selben, nach Zeichnungen Wallot’s ausgeführt, ist von einer geradezu
	        
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