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Rundgang durch das Reichtags-Gebäude

Full text: Das Reichstagsgebäude / Rapsilber, Maximilian (Public Domain)

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Form von Beleuchtungskörpern sich verhältnissmässig am wohlfeilsten 
stellt und sich für die Anordnung der Lichtquellen am ergiebigsten 
erweist. Der Lüster trägt zwölf Bogenlampen und i 2 o dreissigkerzige 
Glühlampen, diese haben die Aufgabe, das Gewölbe und jene den 
Fussboden zu erleuchten. Im Mittelalter verknüpfte man mit der 
architektonischen Gestaltung der Ring-Lüster religiöse Vorstellungen, 
man erblickte darin ein Abbild des himmlischen Jerusalem, wie es 
sich in einer Vision des Apostels Johannes strahlend vom Himmels 
gewölbe herabgesenkt hat. Daher wurden die Nischen der thurm 
gekrönten Stadtmauer mit Statuetten von Heiligen bevölkert. Im 
Reichstagshause ist dieses Motiv verweltlicht worden und zwar in den 
Formen einer frei behandelten Gothik, die sich nirgends an Vorbilder 
anlehnt, vielmehr überall auf Neugestaltungen hinausgelaufen ist. Der 
Reifen der Lichtkrone ist mit Zinnen gekrönt, erinnert also an eine 
Stadtmauer. In regelmässigen Abständen erheben sich über den 
Ring zwölf thurmartige Gebilde, von denen jedes eine besondere, von 
den übrigen abweichende Gestaltung aufweist. In den Tabernakeln 
der Thürme sitzen zwölf Gestalten von Männern, die im politischen 
und geistigen Leben des Mittelalters von bahnbrechender oder vor 
bildlicher Bedeutung gewesen sind. Und zwischen je zwei Thürmen 
erscheint am Kronenreif das Wappen der Geschlechter, welche Deutsch 
land Kaiser gegeben haben. Die Karolinger sind durch das be 
rühmte Signum Karl’s des Grossen gekennzeichnet und im Uebrigen 
weisen die bekannten Wappenbilder auf die Kaisergeschlechter der 
Sachsen, Franken, Schwaben, Lützelburger, Wittelsbacher etc. Die 
Kaiser selber sind nicht bildlich vorgeführt. Denn allem Anschein 
nach werden dereinst in den Gewölbe - Malereien der Rotunde die 
alten Kaiser in Person das heilige römische Reich deutscher Nation 
zur Anschauung bringen und unten über dem Schlussstein des Hauses 
wird sich im Mittelpunkt der Kuppelhalle das Standbild Kaiser 
Wilhelm’s I. erheben, es wird sich hier also die Gesammtheit der 
väterländischen Geschichte, die alte mit der neuen ^eit Hand in 
Hand, darstellen. Vergangenheit und Gegenwart des deutschen Volks 
bildet überhaupt für Wallot ein untheilbares Ganzes, ebenso wie sich
	        
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