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Die Facaden

Full text: Das Reichstagsgebäude / Rapsilber, Maximilian

Hier steht das Pferd auf dem Sprung, die sehnigen Glieder sind 
gespannt, die Vorderbeine hart aufgestellt und gegen das Gestein 
gestemmt, die Hinterbeine nach rückwärts auslangend und der Kopf 
und der Hals in scharfer Wendung vorgeneigt. Auch dieser Reiter 
hat in seiner Eisenfaust die ragende Turnierlanze, bei ihm kommt in 
den präcisen und knappen Linien mehr der rasche Wagemuth und 
die schneidige Initiative der Jugend zur Geltung, seine Helmzier 
verschmäht das üppige Gebausch, sie strebt in Gestalt eines Drachen 
thiers keck niederwärts. Die Formen der Pferde sind in Brust- und 
Beinbildung nicht nach dem Typus des modernen Vollbluts, aber 
sie können nicht befremden, wenn man sich die Streit- und Turnier 
rosse vergegenwärtigt, die auf mittelalterlichen Kunstwerken uns über 
liefert sind. 
Auf allen Seiten das architektonische System der Fronten in 
sich aufnehmend, ist die Kuppel die Krone und der Triumph 
des Reichstagshauses. Wie im Innern der Sitzungssaal das Herz 
der ganzen Anlage ist, so bildet am Aeusseren der Saalüberbau mit 
der Kuppel den Alles zusammenfassenden Einigungspunkt. In der 
Geschichte der Baukunst ist der Kuppel eine epochemachende Be 
deutung zuzuweisen, sie bietet das erste Beispiel einer monumentalen 
Behandlung von Glas und Eisen für die Palast-Architektur. Damit 
hat Wallot der modernen Kunst eine weite Perspective eröffnet. 
Der Saalüberbau ruht auf einem Rechteck von 35 zu 39 m und 
misst rund 42 m in der Höhe. Von der Grösse kann man sich 
einen annähernden Begriff machen, wenn man sich vergegenwärtigt, 
dass die Thürme vom Strassenniveau bis zum oberen Hauptgesims 
nur 39,68 m hoch sind. Nach den Binnenhöfen sind die durch 
Strebepfeiler gefestigten Seitenwände des Saalüberbaues mit grossen 
Fensteröffnungen versehen. Von den Fronten her wird nur die auf 
ein einfaches Gesims aufsetzende Wappen-Attika von massiger Höhe 
sichtbar. Im preisgekrönten Entwurf war dieses eigenartige Wappen- 
Motiv in einem Fries über dem westlichen Portal bereits vorhanden. 
Durch kurze Pfeiler wird die Attika in sieben Felder getheilt, die 
leeren Wappenschilde werden von ornamentalen Figuren umsäumt 
3°
        
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