Path:
Paul Wallot

Full text: Das Reichstagsgebäude / Rapsilber, Maximilian (Public Domain)

9 
des Bauplatzes, 136:95 m, war angesichts der unterzubringenden 
Räumlichkeiten ausserordentlich knapp, die Grundfläche durfte ur 
sprünglich durch belebende und dem Verkehr dienende Vorbauten 
nicht überschritten werden. Dazu kam eine weitere Verwicklung durch 
den Umstand, dass die Hauptfront nach dem Königsplatz, also der Stadt 
abgekehrt zu liegen kam. Die Haupteingänge mussten daher in den 
Nebenfronten angeordnet werden, und das trug wesentlich zur Kompli 
kation der Planbildung bei. Und bei der künstlerischen Gestaltung des 
Aeusserenwar einerseits ein weitgedehnter Platz zu beherrschen, anderer 
seits war eine günstige Ansicht vom Brandenburger Thor aus zu erzielen. 
Wallot .ist ftun aller dieser Schwierigkeiten bereits in dem ersten 
Entwurf Herr geworden. Die mächtige Pfeilerstruktur der Fronten 
wirkte in grossgedachten schlichten Linien auf weite Entfernungen hin, 
die vier Eckthürme schlossen den Bauorganismus wuchtig und feierlich 
zusammen, und eine herrliche Steinkuppel dominirte nach allen Seiten 
hin, machtvoll über den Thürmen aufragend. Die Kuppel erschien 
wie ein Symbol des Kaiserthums, wie ein majestätischer Machtgipfel 
über den vier Königreichen, den Eckpfeilern der Reichseinheit. Diese 
Lösung entsprach den höchsten Erwartungen. Und es ist darauf 
hinzuweisen, dass die hochstrebende Kuppel des preisgekrönten Ent 
wurfs die perspectivische Verkürzung, in welcher man die Linien der 
Fronten vom Brandenburger Thor aus erblickt, harmonisch auflöste. 
Nun trat an Wallot die Aufgabe heran, durch wiederholte Be 
arbeitung der Baupläne allen Anforderungen seitens der für den 
Bau massgebenden Faktoren gerecht zu werden. Die erste Um 
arbeitung des ursprünglichen Entwurfs zeigt in der Längsaxe die 
Eingangshallen und das Foyer; die Kurzaxe, welche von Westen nach 
Osten läuft, weist eine Eingangshalle, ein imposantes Treppenhaus 
und hinter dem Foyer den grossen Sitzungssaal auf. Die Er 
frischungsräume, der Schreib- und Lesesaal sind an der Westfront 
angeordnet und der Bundesrathssitzungssaal im südöstlichen Thurm, 
welcher dem Brandenburger Thor zugekehrt ist. Doch die Akademie 
des Bauwesens, welcher die Abgabe der Gutachten oblag, sprach sich 
gegen die 10 m über dem Strassenniveau emporgehobene Lage des
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.