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Paul Wallot

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian (Public Domain)

Paul wallot. 
Als im Juni 1882 die große Entscheidung fiel und die beiden 
Sieger der Konkurrenz um das Reichstagshaus auf das Forum der 
Oeffentlichkeit traten, fragte man sich allgemein: wer ist denn Paul 
Wallot? Die Antwort war sehr kurz: Privatarchitekt in Frank 
furt am Main. Mehr wußte man, von einem kleinen Kreise ab 
gesehen, nicht. Bei Thiersch hatte man doch wenigstens ein Wo 
und Wie bei der Hand. So gewaltig nun auch der siegreiche Ent 
wurf Wallots auf die Gemüther einsprach, so schüttelten doch die 
klugen Leute, die am Biertisch darüber politisirten, bedenklich den 
Kopf. Erst abwarten, hieß es, noch ist nicht aller Tage Abend, 
Wallot wird sich erst darüber ausweisen müssen, wie er eigentlich 
dazu kam, alle die berühmten Baufirmen, die strahlenden Doppel 
sterne, von denen man im Grunde das Heil erwartet, an die Wand 
zu drücken. Wie sich Verdienst und Glück verketten, darüber hatte 
zwar schon ein anderer berühmter Frankfurter ein kräftiges Wörtlein 
geredet, doch die Sache mußte hier noch einmal durch alle möglichen 
Instanzen kreuz und quer getrieben werden, bis sich schließlich die 
klugen Leute am guten Ende verständnißinnig zunickten: habe ich 
das nicht gleich gesagt? Wallot war doch der Rechte! Aber das 
dauerte eine böse Weile und wer weiß, wie Alles gekommen wäre, 
wenn nicht der alte Kaiser Wilhelm, den all das Streiten und 
Lärmen innerlich empörte, der doch wenigstens noch den Beginn des 
Bauunternehmens erleben wollte, Wallot durch einen Machtspruch 
zu seinem Recht verholfen hätte. Nicht ohne Rührung kann ich zu 
den Schilden mit dem Namenszuge des gottgesegneten Heldenkaisers 
emporblicken; eine ehrfurchtsvolle Pietät, ein danbares Aufblicken zu 
dem Reichsgründer hat der Künstler, wie ich fühle, in diese Symbole
	        
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