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Die Fronten des Reichstagshauses

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian

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zieht sich eine wunderbare Wappenattika von mäßiger Höhe ringsum. 
Sieben Felder sind auf jeder Seite durch eingestellte Pfeiler mit 
Aufsätzen angeordnet. Zwischen ihnen, von reichem Ornament und 
Figuren umkränzt, die leeren Schilde, die in dem ursprünglichen 
Konkurrenz-Entwurf den Fries über dem westlichen Eingang geziert. 
Das sind gleichsam noch leere Blätter, in welche das Reich seine 
zukünftigen Ruhmesthaten einzeichnen mag. Der bestrickende Reiz 
dieser Attika liegt in dem Wechsel von glatten und ornamentirten 
Flächen, der so ungemein lebendig anmuthet und überhaupt die 
Eigenart Wallots kennzeichnet. Die Eckpfeiler sind dann wieder mit 
Reichs-Insignien ausgestattet. Auf die künstlerische Bedeutung der 
Kuppel habe ich schon früher hingewiesen. Die Laterne ist bei aller 
Wucht doch wieder leicht und durchsichtig. Das ist besonders da 
durch erzielt, daß vor das innere Gerüst des Aufbaues dem Wesen 
des Metalls in der Gestaltung angepaßte Säulen gestellt sind, die 
jedesmal in einen flammenden Strahlenkörper auslaufen. Die 
Kaiserkrone ist schließlich in Glanz und Glorie auf den Gipfel des 
Bauwerks gesetzt. Möge sie in ihrer Würde über alle deutschen 
Gaue in die Jahrhunderte hinausstrahlen! Diese Goldkrone ist der 
Schlußstein in dem Einigungswerke Deutschlands. 
Nun bleibt es noch übrig, einen Blick in die beiden Jnnenhöfe 
zu werfen. Sie haben eine Grundfläche von 28,38 zu 15,66 m, 
die Beleuchtung der ihnen zugekehrten Räume ist also eine aus 
reichende. Daö architektonische System der mit Werkstein bekleideten 
Fronten ist ebenso ernst wie vornehm. Glattflächige Pfeilerstreifen 
gliedern die Wände, die Gesimsbildung ist kräftig und unter dem 
Hauptgesims läuft ein anmuthig belebender Zahnschnitt ringsum. 
Auch hier sind die vier Königreiche mit ihren Wappen vertreten, 
an mächtigen Ketten, die zwischen den gegenüberliegenden Wänden 
eingespannt sind, hängen die großen schmiedeeisernen Laternen. Man 
kann hier wie auch sonst im Hause diesen Typus von gekrönten 
Beleuchtungskörpern als Reichs-Laterne bezeichnen. Die überall streng 
durchgeführte Jnnenfront-Architektur wird nur an einer Stelle unter 
brochen und zwar in der Nordost-Ecke des nördlichen Hofes. Hier 
ist ein Treppenhaus in der Fassade angedeutet mit den einer Wendel 
treppe entsprechenden schräg geführten Querstreifen und einer ge 
krönten Kartusche im Obergeschoß, auf das thurmartige Treppenhaus
        
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