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Die Fronten des Reichstagshauses

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian

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modellirt. An der Nordwest-Ecke des Gebäudes ist die Elektro 
technik, mit der Kugellampe ausgerüstet, und die Hausindustrie, 
beide von Eberle-München, sowie die Großindustrie und der über 
seeische Handel, von Eberlein gebildet, vertreten. Den Südwestthurin 
endlich umstehen die Verkörperungen der Volksernährnng, Lessing 
hat den Ackerbau und die Viehzucht übernommen und Diez die 
Bierbrauerei und den Weinbau, hier befindet sich der Erfrischungs- 
saal und die bei Weitem schönste aller Gestalten, der Weinbau, 
schaut nach Westen aus, wo unsere Reben wachsen. Die oberen 
Thurmkörper, die auf eine schöne Attika gesetzt sind, haben ein 
feierlich bewegtes Gepräge. Die die Fenster flankirenden Pilaster 
sind von markiger Gedrungenheit, noch einmal ladet das Gesims 
kräftig aus, um der krönenden Attika mit den säumenden Frucht 
schnüren, den Palmettenmasken und den in einen Jubelakkord aus 
klingenden Puttengruppen mit den Kaiserkronen, eine breite Basis 
zu gewähren. Die Putten sind von A. Brütt modellirt. Und hier 
oben noch ein letzter genialer Triumph. Unter das Hauptgesims der 
Thürme schiebt sich ein kräftiger Löwenköpf vor. Das ist das Motiv 
der mittelalterlichen Wasserspeier, die der Silhouette immer einen 
so eigenartigen Reiz verleihen. Obwohl dem praktischen Zweck ent 
zogen, geben die Köpfe, die eine Ringkrone tragen, einen so herrlichen 
Effekt, daß man sie um keinen Preis missen möchte. Und mit ihnen 
durch einen Ornamentstreifen in Verbindung stehen am Fuß der 
Eckpfeiler Adler mit ausgebreiteten Flügeln, in trotziger Kraft weit 
hin in die deutschen Lande ausschauend. 
Am bedeutsamsten ist naturgemäß der Mittelbau der Hauptsiont, 
der mit der Kuppel zusammen ein Ganzes für sich bildet, entwickelt. 
Eine Rampe von über 100 m Länge führt zu dem Haupteingange, 
der allerdings nur bei festlichen Gelegenheiten benutzt werden wird, 
in 46 Stufen leitet die Freitreppe an mächtigen Löwen auf den Po 
desten vorüber zu der von 6 Säulen getragenen Vorhalle. In 
Trommeln von 1,80 m Höhe steigern die Säulen zu dem der Front 
vorgelagerten und von Konsolen eingefaßten Giebel empor. Für die 
Inschrifts-Platte im Architrav ist noch kein Wortlaut festgesetzt. Die 
große Sknlpturen-Gruppe im Giebelfelde macht einen peinlichen 
Eindruck, hier hat sich ein fremdes Element eingedrängt. Bekannt 
lich hatte die Reichstagsbaukommission diese Arbeit Professor Schaper
        
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