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Im Innern des Reichstagshauses Die Nebengeschosse

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian

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aus. Hier kann man sich erst einen rechten Begriff von den Heizungs 
anlagen machen. In dem durch die Kellerfenster gedämpft herein 
dringenden Tageslicht macht das für den Laien unentwirrbare 
Röhrensystem aller Kaliber einen ungeheuerlichen Eindruck. Die 
Riesenleiber der Hauptröhren steigen in mächtiger Windung aus dem 
Boden hervor, verschwinden dann wieder in den Pfeilern, die 
Wendeltreppen der Schachte ringeln sich im Gemäuer empor, in 
dumpfen Klagetönen sausen die geschäftigen Ventilationsturbinen, 
daß der Boden erbebt. Dann geräth man auch in einen gedehnten 
Aktenraum, wo die verschollenen Wortgefechte der Abgeordneten der 
langsamen Vermoderung entgegenstreben. Und in unheimlicher Ein 
samkeit fügt sich in der Höhe Raum an Raum, die abgeschrägten 
Dachflächen orientiren den Eindringling. In plumper Wucht liegt 
der Lehmmantel auf der Flachkuppel der Wandelhalle, eine erschreckende 
Leere gähnt aus dem unwirthlichen Innern der Eckthürme, die nur 
für die Außenwelt da sind. Zu schwindelnder Höhe steigt das 
Ziegelsteingemäuer auf und bringt die Dimensionen des Hauses zu 
schlagendem Ausdruck. Auch diese Hohlräume, wo es so still ist, 
daß man den eigenen Herzschlag hört, haben ihre Poesie. Da plötzlich 
thut sich ein lichtdurchflutheter majestätischer Binnenraum auf, der 
Saalüberbau mit dem in Eisen gerüsteten Oberlicht, schlechtweg 
Kuppel genannt. Wer einmal hier oben gewesen ist, wird vor der 
Kuppel zeitlebens einen gewaltigen Respekt behalten. Die Laterne 
zu ersteigen, erscheint Vielen sogar als ein Wagniß. Der Kuppel 
unterbau, dessen oberster Theil sich nach außen in der herrlichen 
Wappenattika zu erkennen giebt, ist auf drei Seiten geschlossen 
40 Meter hochgemaucrt, nach Osten hin ist zur Entlastung der 
unteren Wandtheile ein kühn geschwungener Bogen in parabolischer 
Gestaltung mit 27 Meter Lichtweite zwischen den Eckpfeilern ein 
gespannt. Das ganze Mauerwerk mit den Widerlagern, auf welchem 
die Kuppel ruht, bedeckt auf allen vier Seiten eine Grundfläche von 
etwa 400 Quadratmetern. Nach Norden und Süden sind die Seiten 
wände des Oberlichtraums mit einem Kranz von gewaltigen Fenstern 
versehen, sodaß die Glasdecke des Sitzungssaales, die hier oben durch 
ein Satteldach aus Glas und schmalen Eisensparren geschützt ist, 
zwei Lichtströme zugeführt erhält, und zwar den einen von der Seite 
und den anderen direkt von oben durch die Glaseindeckung der
        
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