Path:
Im Innern des Reichstagshauses Die Räume an der Ostfront des Hauptgeschosses

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian

55 
mit Löwenköpfen geziert, die die Crystallglühbirnen mit dem Gebiß 
festhalten. Von außerordentlicher Schönheit ist schließlich der hoch 
ragende Kamin aus kostbarem Marzana-Kalkstein. Zwei Pfeiler 
mit feingegliederten Reliefs halten den Aufbau zusammen, zwei 
Adler mit Flammenbündeln tragen einen Fries mit reichen römischen 
Arabesken, 4 Genien unter dem einfachen Hauptgesims sind mit 
den Reichsinsignien bewehrt. Das bei Weitem genialste Schmuck 
stück des Saales aber ist das Basrelief eines Feuerdämons auf 
einer abgeschrägten Fläche dicht über der Kaminöffnung. Das 
Ornament charakterisirt eine Zähmung des Elementes und das 
Motto dazu mag in der Beobachtung gegeben sein, wenn einmal 
der im Kamin herabsausende Wind die Flammen der Holzscheite in 
das Zimmer schlägt und sie sich nun einen Augenblick am Kamin 
emporringeln. Ein infernalischer Löwenkopf mit gräßlich geöffnetem 
Rachen hebt sich aus der Steinplatte hervor, ein straffes Flammen 
bündel schießt mit ungeheurer Vehemenz fächerförmig nach oben, 
aber die Kette, welche über des Unthiers Kopf gelegt ist, zügelt die 
Wuth des Elementes noch nicht, noch über ein zweites breites Band 
lodern die Feuerstrahlen empor, gleichsam ins Endlose. Dieses Relief 
ist in der Erfindung ein Kunstwerk ersten Ranges. Die beiden an 
den Sitzungssaal grenzenden Zimmer für den Bundsrath sind in 
vornehmer Eleganz durchgeführt. Die Täfelung ist durch kannelirte 
Pilaster gegliedert, die Holzdecke ist einfach kassettirt, eine bordeaur- 
rothe Seidentapete in Blumenmustern giebt den dominirenden 
Farbenton, der in den Bezügen und dem Teppich harmonisch variirt 
wird. Ueber diesen Räumen sind im Zwischengeschoß zwei fernere 
Zimmer für den Bundesrath angeordnet, aber um ein Beträchtliches 
einfacher gehalten, wie denn hier auch die schon im alten Hause ge 
brauchten Möbel, die von der Würde des neuen Hauses merkwürdig 
abstechen, aus Sparsamkeitsrücksichten aufgestellt sind. Sehr 
interessant aber sind die Wandbekleidungen, in dem größeren Raume 
sind auf roher Leinwand Weinstockranken aufgemalt, zwischen welchen 
musicirende Satyre und heraldische Löwen eingefügt sind und zwar 
nach einem Motiv von Albrecht Dürer, im kleineren der Zimmer 
erscheinen auf der etwas feineren Leinwand Distelranken, die an die 
Malerei im Tonnengewölbe des Erfrischungssaales anklingen. 
Schließlich sind dem Bundesrath im Zwischengeschoß noch vier
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.