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Im Innern des Reichstagshauses Die Repräsentationsräume

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian

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werthe Arbeit, aber das Einzelne zeigt doch nicht so sehr den seinen 
künstlerischen Geist, der die Erfrischungsräume auszeichnet. Vor 
vier Jahren, als die Arbeitskraft des leitenden Architekten durch das 
anbefohlene beschleunigte Tempo der Bauausführung überbürdet 
wurde, beschränkte sich Wallot nur auf allgemeine Angaben für den 
Ausbau der beiden Säle. Daher ist es gekommen, daß die Holz 
arbeiten hier nicht das architektonische Leitmotiv aufnehmen, das in 
andern Sälen so schön variirt ist. Immerhin sind die Hauptlinien 
der Ausstattung achtunggebietend, wenn auch zuweilen etwas schwer 
lastend, wie an der Holzdecke des Lesesaales. Ein belebendes Element 
in dem dunklen Ensemble bilden die helleren Einlagen aus un 
garischer Esche, einer goldgelben Holzart mit schönen Adern in Wellen 
linien. Ferner sind beträchtliche Wandflächen ausgespart für Städte 
bilder in Freskomalerei. Unter der Decke zieht sich ein durch die 
Täfelung in den Abständen der Pfeiler unterbrochener Fries hin, 
der festlich heitere Puttengenres auf Goldgrund enthält. Kartuschen, 
Medaillons mit Fruchtschnüren, nackte weibliche Gestalten, Grotesk 
köpfe verschiedenster Art, Karyatiden treten aus den Flächen der 
Täfelung hervor. Der achteckige Schreibsaal enthält analog dem 
Erstischungssaale am entgegengesetzten Ende des Gebäudes an den 
vier Schmalseiten plastisch reich ausgestaltete Wandtäfelungen in 
komplizirter Gliederung. Wesentlich daran sind die Nischen, in 
welchen die ernst gedachten, edlen Gestalten von Ceres, Vulkan, 
Neptun und Merkur nach Modellen von Wiedemann aufgestellt sind. 
Auch diese sind nackt. Der einfach profilirte wuchtige Kamin ist 
aus schwarzem prachtvollen Porte d'or-Marmor, der aus den Pyre 
näen stammt, gefertigt worden. Der der achteckigen Fläche ent 
sprechend gegliederte Plafond macht mit der kunstvollen Täfelung 
einen schönen und würdigen Eindruck. Die Möbilirung dieser Säle 
erzielt einen ruhig abgestimmten Farbenakkord, in welchem das 
Mattblau der Teppiche und Polsterungen und das Dunkelbraun des 
Eichenholzes die dominirenden Grnndtöne bilden. Die schweren 
handgeknüpften Smyrnateppiche mit den Millionen von Knoten 
sind aus einem Stück gearbeitet. Recht originell und der Be 
stimmung der Säle immer angepaßt sind die Kronen für das 
elektrische Licht. Hier sind sie wie alte Stadtmauern gebildet mit 
Thoren, Wartthürmen u. s. w. Die Beleuchtungskörper des Hauses,
        
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