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Im Innern des Reichstagshauses Die Repräsentationsräume

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian (Public Domain)

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weiten Raum und, auf dem Rande der Ballustrade lagern je zwei 
geheimnißvolle Fabelthiere aus dem Geschlecht der Sphinx, Wiede 
mann hat sie modellirt, diese grandiose Schlußnote des majestätischen 
Ensembles. Die übrigen Skulpturen der Wandelhalle sind von 
O. Lessing gebildet. Unter den Einstellungen treten aus der glatten 
Wandfläche vier reizvolle Medaillons hervor, schlankgliedrige Putten 
erscheinen als Herolde der vier deutschen Königreiche. In der 
Rotunde symbolisiren Marmorreliefs über den Eingängen das alte 
und das neue Reich, dort hütet ein Adler die alten Insignien, hier 
lagert ein Löwe mit Reichsapfel und Scepter vor den Fahnen 
trophäen und den Schilden der drei Hohenzollern-Kaiser. Und 
ihren Höhepunkt erreicht die Ornamentik des Reichstagshauses in 
jenen wunderbaren Gebilden, die oberhalb der Nischen auf dem 
Hauptgesims sich vor die Gewölbekappen der Rotunde legen. Das 
ist eine gestaltenreiche Verkörperung der vier Herrschertugenden, die 
wie die vier Sätze einer Symphonie mit dem Thema Tapferkeit, 
Gerechtigkeit, Weisheit und Friedensliebe zu einer gewaltigen, 
ehrfurchterweckenden Einheit zusammenklingen. 
Die mit der großen Wandelbahn in engem Zusammenhange 
stehenden Eingangshallen sind bei aller Verschiedenheit der An 
klage und Bestimmung in annähernd gleichem Geist künstlerisch be 
handelt. Die Südvorhalle, die lediglich für die Abgeordneten und 
den Bundesrath dient, ist als Haupteingang besonders betont, sie 
bildet auch in dem künstlerischen System gleichsam das stimmung 
gebende Präludium. Acht Kaiserstandbilder aus der Reihe von 
Karl dem Großen bis Maximilian I. ragen zu beiden Seiten vor 
den Pfeilern auf, ebensoviele Säulen schießen dann zu der prachtvoll 
kassettirten Tonnenwölbung empor nnd von der Höhe blicken aus 
dem Gewölbefries Charakterköpfe herab, welche die verschiedenen 
Epochen des alten Kaiserthums versinnbildlichen. Und in die ehr 
würdigen Erinnerungen der guten alten Zeit strahlt die Herrlichkeit 
des neuen Reiches aus der Farbenpracht der bunten Fenster herein. 
Allmutter Germania thront auf dem Festhügel, um sie herum der 
glänzende Reigen ihrer gekrönten Kinder in wonniger Eintracht und 
dem Gelöbniß: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern! 
Frühlingsblüthen neigen sich herüber und hinten dehnen sich die 
Deutschen Lande vom Fels zum Meer in jauchzendem Sonnenschein.
	        
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