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Im Innern des Reichstagshauses Der große Sitzungsaal

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian

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Der große Sitzungssaal. 
In seiner ruhigen Würde und großgedachten Einfachheit ist 
der im Mittelpunkt des Gebäudes liegende Sitzungssaal der vor 
nehmste Raum des Hauses. Die Abmessungen des Saales, 21,56 m 
Tiefe, 29 m Breite und 13,15 m Höhe bis zur Glasdecke, ent 
sprechen denjenigen des alten Sitzungssaales in der Leipziger Straße. 
Da dort eine ausgezeichnete Akustik erzielt ist, wollte man sich auf 
keine neuen Experimente einlassen, allerdings ist nun infolge einiger 
Verbesserungen in akustischer-Hinsicht nichts zu wünschen übrig ge 
blieben. Auch die Größe des Saales ist, der Tragfähigkeit der 
menschlichen Stimme angemessen, möglichst knapp gehalten. Außer 
der erhöhten Präsidententribüne, die in der Kurzaxe des Gebäudes 
liegt mit 5 Sesseln, sind an der Ostwand 48 Plätze für Regierung, 
Bundesrath rc. angeordnet, für die Abgeordneten sind 400 Sitze 
mit verschließbaren Schreibpulten geschaffen. Acht große Radial 
gänge führen strahlenförmig vom Tisch des Hauses durch den vier 
eckigen Raum, dazu kommen noch sieben kleinere Gänge, die sich an 
der Westseite zwischen die Hauptlinien geometrisch abgetheilt ein 
fügen. Zusammenhängend sind nirgends mehr als 5 Sitze. Die 
Steigung des Bodens ist die überall übliche, nach dem Verhältniß 
von 1:10. Unterhalb der Rednertribüne ist Raum sür 6 Steno 
graphen, die hinter Schranken den Abgeordneten fast unsichtbar 
bleiben, nach gethaner Arbeit verschwinden diese Herren dann auf 
demselben Wege, auf dem sie gekommen, in einer Versenkung, die 
zu den Stenographen-Zimmern im Erdgeschoß führt, ohne den 
Sitzungssaal durchqueren zu müssen. Zwölf Eingänge besitzt der 
Saal an allen Seiten zusammen. Der Akustik wegen ist der 
Sitzungssaal an den Wänden mit Eichenholz bekleidet, auch die 
Tribünen und Skulpturen sind aus gleichem Material, nur an der 
Ostwand sind drei Flächen offen gelassen für historische Fresko- 
inalereien. Unterhalb der Tribünen sind die Täfelungen von strenger 
Einfachheit, die nur durch die kunstvoll gezierten Thüren unter 
brochen wird, nach oben hin wird das Holzwerk bewegter und 
farbiger. Die Decke endlich ist aus lichtgrauem Glas, ein gewaltiger 
Reichsadler in decenten Farben breitet in der Mitte sein Riesen 
gefieder aus, ein schmaler, sanft getönter Fries in Gestalt eines
        
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