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Die Baugeschichte des Reichtagshauses Die Kuppel des Reichstagshauses

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian (Public Domain)

Wandelhalle eine schlanke, auf achteckigem Tambour ruhende Kuppel; 
die Westfront erhielt dadurch wohl eine charaktervolle Verstärkung, 
aber die Silhouette des Ganzen wurde unschön verschoben. Im 
Grunde handelte es sich nur um einen verlogenen akademischen 
Effekt, der wie eine Verlegenheitsphrase subalterner Köpfe anmuthete. 
Zum Glück scheiterte dieses Projekt durch den Einspruch des Kaisers. 
Wallot hatte unter dem Tambour eine Flachkuppel anordnen müssen, 
damit die schöne Raumwirkung der Wandelhalle durch den hohen 
schmalen Schacht des Kuppelaufbaues nicht zerstört und die Heiz- 
barkeit des Raumes illusorisch gemacht würde. Da aber der Kaiser 
die Flachkuppel nicht genehmigte, wurde der zweite Entwurf zu einer 
Unmöglichkeit. 
Jetzt endlich konnte Wallot seine ursprüngliche Idee, der zufolge 
nur an eine Centrallage der Kuppel zu denken war, zur Geltung 
bringen. Zwei Jahre lang hatte der Künstler für seinen neuen 
Entwurf zu kämpfen. Die Akademie zweifelte natürlich wieder an 
der genügenden Lichtzufuhr, Anderen erschien die Vergoldung der 
Eisentheile bedenklich, Anderen die bautechnische Lösung des aller 
dings sehr schwierigen Problems. Ein ganzes Heer von begut 
achtenden Sachkennern wird aufgeboten und schließlich am 13. Januar 
1890 gab man Wallot in Allem Recht. Die Gegner des früheren 
Entwurfs hatten nun die Genugthuung, daß ein kühner Aufbau, 
der die solide Mittelmäßigkeit mit Unbehagen erfüllt, ausgeschlossen 
war. Das hatte man doch fertig gebracht. In den Grundmauern 
war vorher auf eine Kuppelanlage nicht Bedacht genommen, durch 
Zuniauerung von zwei Treppenhäusern und durch Anbringung von 
Widerlagern mußte bis zu einer Höhe von 40 m das Mauerwerk 
nachträglich verstärkt werden. Auch dieses technische Moment hat 
auf die Abmessung der Kuppel eingewirkt. Gewiß wirkte der erste 
Entwurf majestätischer, aber die neue Kuppel ist so gänzlich anders 
gedacht, daß ein Vergleich ein Unding ist. Und das ist das Ver 
söhnende an der ganzen bösen Kuppel-Frage, das Wallot's er- 
sindendes Genie hier seine schönsten Triumphe gefeiert hat. Das 
blöde Gerede über die gedrückten Maße der Kuppel steht auf gar 
zu schwachen Füßen. Jetzt, da das Laub von den so sorgsam ge 
hätschelten Strauchanlagen des Königsplatzes herabsinkt, bietet sich 
hier und da von der Westseite des Platzes aus ein Durchblick, der
	        
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