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Die Baugeschichte des Reichtagshauses Die Bearbeitung der Baupläne

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian (Public Domain)

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änderter Entwurf war. Zwei große Opfer mußte er bringen. 
Höherer Anordnung zufolge wurde der schöne Kuppelbau kassirt, 
eine der genialsten Architekturschöpfungen ist auf dem Papier ge 
blieben. Dafür wurde eine anders geartete Kuppel mit ovalem Durch 
schnitt auf einem achteckigen Tambour über der Westfront entworfen. 
Und der neu befohlenen monumentalen Eingangshalle für den Hof 
zu Liebe mußte Wallot auf die architektonische Durchführung der 
Längsare, eine der schönsten Eigenschaften der ursprünglichen Idee, 
verzichten. Dazu kam die Herabsetzung von vier Höfen auf zwei. 
Die Eingangshalle für den Hof, deren Benutzung auch dem Bundes 
rath freisteht, schob sich nun von Osten her in den Baukörper ein, 
der Sitzungssaal wich nach Westen, das Foyer erfuhr eine neue 
Planbildung. Jetzt entstand die überwältigend großartige Wandel 
halle von 96 m Länge, welche hinter die Erfrischungs- und Lese- 
Säle eingelegt wurde. Die Räume für Regierung und Reichstags- 
Präsidium, welche ursprünglich in einem der Ostfront vorgelegten 
Anbau waren, wurden in die entsprechenden Rücklagen verwiesen, 
zwei große Wartesäle dehnten sich vor den Eingängen zu den er 
wähnten Räumlichkeiten. Längs- und Queraxe des Baues schneiden 
sich in dem hinteren Mittelradialgang des Sitzungssaales. Das 
Büchermagazin wandert in das Obergeschoß, nur die Handbibliothek 
bleibt im nordöstlichen Thurmsaal des Hauptgeschosses. Die Raum- 
eintheilung, die jetzt in den Hauptzügen festliegt, ist ebenso groß ge 
dacht, wie einfach und bequem. Der wuchtige Vorbau im Osten, 
der säulengctragene Giebel im Westen, die Giebelmotive an den 
Querfronten, die im Wesentlichen unberührt gebliebenen Thürme, 
der ringsumlaufende Architrav kennzeichnen die Vollendung des zu 
einem Meisterwerk ersten Ranges ausgereiften Grundgedankens. 
Am 5. Dezember 1883 ertheilte der Kaiser seine Zustimmung 
zu dieser Projektskizze, welche die Grundlage für die Bau-Ausfüh 
rung bildet. Anfang März 1884 geschieht der erste Spatenstich für 
die Ausschachtung des Fundamentbaues. Unterdessen sind noch 
einige unbedeutende Raumverschiebungen im Erdgeschoß eingetreten, 
so die Anlagen der Garderoben, in der Wandelhalle ist durch säulen 
getragene Einstellungen die Raumwirkung erhöht. So konnte denn 
in stolzer Zuversicht auf das Gelingen des Riesenbaues die feierliche 
Grundsteinlegung am 9. Juni 1884 vollzogen werden.
	        
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