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Die Baugeschichte des Reichtagshauses Die beiden Preisbewerbungen

Full text: Das Reichstagshaus in Berlin / Rapsilber, Maximilian

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Bauplatz als der ursprünglich geplante verfügbar oder geeignet war, 
kam Ende 1881 ans Grund kaiserlicher Intervention der endgiltige 
Beschluß auf Errichtung des Baues an der Ostseite des Königs- 
plahes zu Stande. Der größere Theil des Banplatzes war preußisch 
fiskalisches Eigenthum, die Privatbaulichkeiten, besonders das 
Raczinsky'sche Palais, wurden vom Reich erworben, die Sommer 
straße, welche den Platz durchschnitt, mußte in der Folge nach Osten 
geschoben werden. Das verursachte den häßlichen Knick an dieser 
Stelle. Für den Grunderwerb wurden 7 3 / 4 Millionen bewilligt. 
Nun kam die Sache in Fluß. Am 9. Januar 1882 hielt die 
neugebildete Reichstagsbau-Kommission ihre erste Sitzung ab. Der 
Staatssekretär v. Boetticher ist der Vorsitzende der Kommission, 
der Reichstags-Präsident v. Levetzow, einige Herren des Bundes 
raths, die Abg. v. Forckenbeck, Graf Kleist gehörten ferner dazu, 
als Sachverständige fungirten die Architekten Adler, Ende, 
Persius. Diese Kommission ist dem Reichstage für alle An 
gelegenheiten des Baues verantwortlich. Am 2. Februar 1882 er 
ging das zweite Preisausschreiben an alle deutsch redenden Künstler. 
In dem Programm waren die Bedingungen eingehend detaillirt. 
Der Bauplatz bildet ein Rechteck von 136 :95 Meter, für den 
Sitzungssaal war eine Grundfläche von 600—640 qm, für das 
Foyer von 500 qm, für den Saal des Bnndesraths von 180 bis 
200 qm, für Restauratsionräume von 400 qm, für die Bibliothek 
von 1000 qm ic. verlangt. Bei der Anordnung der Vestibüle war 
darauf zu sehen, daß die Zugänge für den regelmäßigen Geschäfts 
verkehr, der lokalen Verhältnisse wegen, da eben die Hauptfront der 
Stadt abgekehrt ist, nicht von der Seite des Königsplatzes ge 
nommen wurden. Zwei erste Preise von je 15000, drei zweite von 
je 10000 und fünf dritte von je 3000 M. waren ausgesetzt. Ter 
10. Juni war Einlieferungstermin der Entwürfe. An Mitgliedern 
jener denkwürdigen Jury stellte der Bundesrath 5 Vertreter mit 
Herrn v. Boetticher an der Spitze, der Reichstag 8, und zwar den 
Präsidenten v. Levetzow, die Abg. v. Forckenbeck, Gerwig, Frhr. 
v. Heeremann, v. Kehler, Graf Kleist, Löwe und Fürst v. Pleß, 
dazu kamen als Sachverständige die Architekten Adler, Egle, 
M. Haller, Siebert, Persius, Stasi und der Wiener Fr. Schmidt, 
schließlich der Maler A. von Werner. Nicht weniger als 189 Ent-
        
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