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I. Die Lage und Entstehung des Palais

Full text: Ein Kaiserheim / Transfeldt, Adolf

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L Die Lage und Entstehung des Pninis. 
iZiehe den Lageplan.- 
as Palms steht an der Ecke der Linden und des Gpernplatzes. 
An dieser Stelle befand sich früher das Markgräflich Schwedt'fche 
Palais, ein zweistöckiges Haus, das dem Markgrafen Philipp Wilhelm und 
späterhin den: Markgrafen Friedrich Wilhelm von Lrandenburg-Ächwedt 
gehörte. Nach dessen Tode ging es in den Lesitz eines Herrn von Lredow 
und in den der Familie von Tauentzien über, nach welcher letzteren es 
noch lange das „Tauentzien'sche Haus, Unter den Linden Nr. 37" hieß. 
rliit Jahre 1829 erhielt dasselbe der Prinz Wilhelm von Preufzen 
als Kommandirender General des III. Armee-Korps von Zeinen: König 
lichen Later als Dienstwohnung angewiesen und bezog es bereits am Tage 
nach Seiner an: 11. Juni 1829 stattgefnndenen Vermählung. Später 
erwarb es für Ihn der König als Eigenthum. 
Schon in: Anfange des Jahres 1830 beantragte der Prinz unter 
Vorlage von Lauplänen, die der damalige Geheime Ober-Laurath Schinkel 
entworfen hatte, beim Könige einen Umbau, eine Vergrößerung und Ein 
richtung des Tauentzien'schen Hauses, und der König befahl hierauf im 
Mai desselben Jahres, dafz zu dieteu: Zwecke dreimalhunderttaufend 
Thaler aus den: Monds des Kronfideicommisfes an die Prinzliche Hof 
staats-Kasse ansgezahlt werden sollten. 
Alle Pläne Schinkels, die für den Platz, auf dem das Palais jetzt 
steht, berechnet ivaren, zeigen das entschiedene Lestreben, den Neubau 
nicht durch die hohe Masse des Libliothek-Gebändes erdrücken zu lassen; 
Schinkel wollte letzteres entweder abtragen, oder durch hohe Eckflügel 
mit Säulenstellungen überbieten. 
Keiner dieser Pläne kan: indessen zur Ausführung, weil die zur 
Verfügung stehende Summe hierfür nicht ausgereicht hätte, sondern der 
Entwurf eines Stndiengenosfen Schinkels, des damaligen Lanraths Karl 
Nerdinand Langhaus, geboren 1731 zu Lreslau, gestorben 1669, eines 
Sohnes vom Erbauer des Lrandenbnrger Thores. Das schlichte Haus 
des späteren Deutschen Kaisers verzichtete auf solche Wirkungen, wie 
Schinkel sie beabsichtigt hatte; es vereinigt aber eine schöne und zweck 
mäßige Anordnung der inneren Räume mit edler Reinheit der äußeren 
Erscheinung und gehört jedenfalls zu den: Vorzüglichsten, was in Lerlin 
neben Schinkel's Werken entstanden ist. 
Zehr ungünstig war die Lage des Lauplatzes, da dieler durch die 
Königliche Libliothek eingeengt wurde; Langhaus lieferte aber den Le 
weis, daß einschränkende Ledingungen einen: gereiften Künstler keine 
Ressel, sondern nur ein Sporn für eine um so schönere und geschicktere 
Gestaltung sind. 
Im Mai 1833 übersandte der Prinz die von Langhaus einge 
reichten Pläne an Schinkel zur Legutachtung mit dem Hinzufügen, daß 
Ihm das Project des Lauraths Langhaus nach einigen von Ihm ge- 
wünschten Abänderungen sehr gelungen erschiene, da es die Wohnungs- 
rüume unverändert nach Schinkel's Plan und nur in der Saal-Kom 
bination eine annehmbare Veränderung eintreten ließe; Oberlicht für die 
Galerie fei übrigens nicht nothwendig, da letztere ja keine Gemälde- 
Galerie werden solle, ans den: einfachen Grunde, weil Er keine Ge 
mälde besäße; als einen besonderen Uebelstand bezeichnete es aber der 
Prinz, daß die Stallungen für den täglichen Gebrauch unter den: großen 
Saale im Gnergebände liegen sollten. 
Noch in demselben Monate sprach sich Schinkel in seinem Lericht 
sehr anerkennend über Langhaus' Pläne aus; die Anordnung der Räume 
gegeneinander und das Verhältniß jedes einzelnen in: Grundriß erschiene 
ihn: so glücklich, daß unter Lerücksichtigung der großen Schwierigkeiten, 
welche der beengte Lauplatz mit seinen Umgebungen einer architektonischen 
Anlage entgegensetze, schwerlich etwas erdacht werden könne, was allen 
Ledingungen eines modernen, räumlichen und eleganten Palastes mehr 
entspräche, als der Langhans'sche Plan. Die schöne räumliche Anlage 
der Restläle, die Abwechselung der Morn: in den verschiedenen Raunten, 
der doppelte Zusammenhang mit der vorderen Zimmerreihe und die 
dabei stattfindenden, sehr zweckmäßig gelegenen Verbindungen und kleinen 
Treppen bildeten ein Ganzes, welches nur als sehr gelungen betrachtet 
werden könne; als besonders glücklich gefaßt sehe er ferner die Verbin 
dung des Tanzfaats mit der schönen Anlage der Gewächshäuser an. 
Mür die Ausführung, Renersicherheit und allgemeine architektonische 
Vollendung sei endlich viel gewonnen, wenn das Prinzliche Palais von: 
Niederländischen abgerückt gehalten würde; die Anlage der großen 
Stallungen theilweise unter den Sälen der Repräsentation könne aber 
leider auf dem beengten Lanplatze nicht vermieden werden. 
Der Prinz entschloß sich nun, den Lau durch Langhaus ausführen 
zu lassen und, mit mehr Raum zu gewinnen, noch das Haus Nr. 41 
an der Lehrenstraße, in den: sich bis dahin die Geschäftszimmer und die 
Dienstwohnung des Ministers des Innern für Handel und Gewerbe be 
funden hatten, anzukaufen. Der König war damit einverstanden, daß 
der Prinz dies Haus zu deinselben Preise, zu welchen: das Rinanz- 
ininisterium es von der allgemeinen Wittwenkasse übernonunen hatte, 
für siebenzig Tausend Thaler, erhielt. 
Nun war noch ein I'.leiner, zur Königlichen Libliothek gehörender
        
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