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III. Das Innere des Palais

Full text: Ein Kaiserheim / Transfeldt, Adolf

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Ein, über der runden Waffenhalle liegendes und aus Eisen er 
bautes, Treibhaus neblt einem künstlichen Garten, beide zusammen der 
Winter-Garten, (Bild 41, 42 unü 25), 
genannt, welcher mit den herrlichsten Palmen und anderen Blattpflanzen 
und Glumen angefüllt und nach beiden Leiten hin zu unmuthigen Durch 
blicken geöffnet ist, verbindet das Vorzimmer mit dein, im Seitenflügel 
liegenden, runden Saal, stellt also die eine Verbindung der iin Hauptflügel 
befindlichen Zimmer mit diefem Saal her, der mittelst eines kleinen 
Raumes fdes Compartiments Nr. 1) auch mit dem kleinen Speise-Saal 
verbunden ist. Kleine Marmorfiguren, Amoretten u. s. w. verschönern den 
Winter-Garten; die Venus von carrarischem Marmor und das kleine, eine 
Ente tragende, Mädchen sind von A. Wolfs, die Wafferträgerin, der kleine 
Kinderkopf mit Kopftuch von Marmor und das Gips-Medaillon, Amor 
auf einem fliegenden Schivan, find von L. Wich mann hergestellt. 
Den runde Anal (Tanz-Saal), (Bild 40), 
wurde auch zu Gala-Diners und Eonzerten benutzt; wenn beim Tanzen 
die Zahl der Paare gar zu grosz war, wurde die gelbe Galerie, die 
sonst nur zur Konversation diente, ebenfalls zum Tanzen in Anspruch 
geuommen. Der runde Saal ist von hervorragender Schönheit. Er 
würd van zwanzig kannelirten, korinthischen, im Kreise aufgestellten Säulen 
und den entsprechenden Pilastern umgeben, aus welchen eine umlaufende 
Galerie mit vielarmigen, vergoldeten Kandelabern und zwischen den Säulen 
hängenden goldenen Ampeln ruht. Die Wände sind mit weißem Stuck 
marmor bedeckt, ein mythologisch-allegorischer Nries befindet sich unter 
der Kuppel. Zwischen den Säulen stehen kleine, rothe Sophas mit ver 
goldeten Lehnen und Iüszen. In einem der Zwischenräume ruht auf 
einem Marmor-Postament eine grolze, vergoldete Vase mit Masken 
verzierungen, eine 1826 in der Königlichen Eisengießerei hergestellte 
Nachbildung der Warwick-Vase. Vor derselben wurde bei Gälten ein 
erhöhter Sitz für die Kaiserin in der Weise hergerichtet, dasz eine 
Gruppirung schöner Gewächse im Verein mit der Vase einen anmuthigen 
Hintergrnnd bildete. Im Saal befinden sich auf Marmor-Postamenten 
drei Gruppen von demselben Material: eine Mutter, ihr Kind auf dein 
Arm haltend, von Tondeur, ein Knabe, welcher einem Hunde Grot 
zuwirft, und Paul und Virginie; auf Marmor-Säulen zwei Gruppen: die 
Unschuld und der betende Knabe. Durch einen kleineren Raum fCompar- 
timent Nr. 2) gelangt man in die, mit polirten gelben Stuckwänden 
versehene, 
gelbe Galerie, 
welche die Verbindung des runden Saales mit dein, im Guertlügel 
liegenden, großen Speise-Saal bildet. Die Galerie enthält zahlreiche 
Marmorfiguren: die erste Nreude, Kind mit einem Hunde auf dem Arin, 
sitzender, Fischnetze strickender, Amor, von M. Woltreck, ein kleiner, 
einen Weinstock pflanzender Knabe, die erzivnngene Gitte, Knabe von 
einem Hunde geküßt, Knabe einen kleinen Hund haltend, ein kleiner 
Knabe mit einem Vogelnetz wehrt sich eine Katze ab, betender Knabe 
und ein, auf einem Kinderftuhl eingeschlafener, Knabe mit einem Suppen 
napf, dessen Löffel herabgefallen ist. Die letztgenannte Migur ist von 
Pietro Calvi in Mailand angefertigt und auf der Wiener Weltausstellung 
vom Kaiser angekauft. Auch zwei Kandelaber von galvanischem Zink 
guß find mit Jiguren geschmückt: ein Knabe hält sich an dem, aus vier 
Armen bestehenden, Kandelaber, und ein knieender Knabe trägt eine 
verzierte Schale. 
Vor dem großen Speise-Saal und links der gelben Galerie liegt das 
Chinesische Zimmer, (I5üö 43), 
welches Chinesische und Japanische Möbel und prachtvolle Vasen und deryl. 
aus diesen Ländern enthält. Darunter befinden sich zwei große Elephanten 
mit vasenförmigen Aussätzen von Gronze mit bunter Emaille, zwei bron 
zene Vasen mit Ausschnitten, welche verschiedene Ornamente, darunter 
Drachen-Niguren darstellen, ein sehr schöner Schrank und zwei hohe, reich 
ornamentirte und geschnittene Leuchter von Gronze. Einen Theil dieser 
Sachen hat der hochselige Kaiser zum neunzigsten Geburtstage von den 
Kaisern von Japan und China geschenkt erhalten. 
Längs des Chinesischen Zimmers, der gelben Galerie, des Tanz- 
Saals und des Winter-Gartens bis zum Pompejanischen Zimmer hin führt 
außen an der Gartenseite eine, mit Glas überdachte, Lanf-Galerie, ivelche 
in früheren Jahren Ihrer hochseligen Majestät häufig, auch bet Regen- 
wetter, als Promenade diente. 
Der kleine Epheugarten wurde hierzu nie benutzt, da der Eingang 
zu demselben sehr unbequem, im Kellergeschoß, liegt. 
Der große speise-Saal sDüler-Saal), (i$ilü 44), 
ist im Jahre 1884 durch den Ober-Gaurath Strack auf das Pracht 
vollste umgestaltet. Die Wände sind mit polirtem carrarischen Marmor 
bekleidet, herrliche Marmorpilaster mit reich ornameutirten Adler-Kapitellen 
ziehen sich an den Wänden hin. Die Grüstung der Glend-Galerie ist mit 
Adlern und Königskronen geschmückt, und die Decke mit reichster Stück 
arbeit und mit Fresken auf das Geschmackvollste ausgestattet. An den 
Wänden befinden sich zwölf große Medaillons von vergoldetem Zink mit 
Relief-Portraits der Kurfürsten Friedrichs I., Friedrichs II., Joachims I., 
Joachiins II., Johann Georgs und Friedrich Wilhelms, des großen Kur 
fürsten, sowie mit denen der Könige Friedrichs I., Friedrich Wilhelms I., 
Friedrichs des Großen, Friedrich Wilhelms II., Friedrich Wilhelms III. 
und Friedrich Wilhelms IV. 
Ein gewaltiger Adler mit erhobenen Flügeln aus carrarischem 
Marinor, nach Ranch, thront in einer, an der Südseite zwischen den 
Fenstern befindlichen, Nische. Anmuthige Marmorgcuppen stehen zwischen 
den Pilastern: Amor und Psyche, von M. Schulz, die kleine Lama- 
riterin, von C. Dop meyer, Amor mit der Maske, von F. Hartzer, 
Amor mit dem Helm des Mars, von C. D. Meyer, die Züchtigung, 
von C. Dopmeyer, Hebe mit dem Pfau der Juno, von M. Schulz, 
Ganymed auf einem Adler sitzend, von C. Schultz, und eine weibliche 
Migur mit einem Pfau, in der rechten Hand einen Futternapf, in der 
linken eine Kanne haltend, von Schultz. An der einen schmalen Wand 
stehen zwei hohe Vasen von gestecktem Alabaster auf Postamenten von 
gleichem Material, an der anderen zwei Schalen von dunklem Alabaster 
mit herabhänyendein Weinlaub. 
Der Saal ivurde bei größeren Festlichkeiten zum Ausstellen von 
Guffets und zu Theater-Aufführungen benutzt; hier wurden dem Kaiser 
auch die, in die Armee eintretenden, Cadetten vorgestellt, zum letzten Mal 
am 28. Januar 1333.
        
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