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III. Das Innere des Palais

Full text: Ein Kaiserheim / Transfeldt, Adolf (Public Domain)

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Seitentischen und den Stühlen tagen ju Lebzeiten des Kaisers Zeichnungen, 
Gerichte, Mappen und Gücher, darunter eine Gang- und Ouartierlisse der 
Armee und Marine und die Reden des Jürssen Gismarck. Auch das 
Sopha war stets mit Dächern und Zeitungen bedeckt, da der Kaiser bekannt 
lich selbst in Seinem hohen Atter keine Mittagsruhe abhielt; jetzt liehen 
dort die Photographien des Groszherzogs von Gaden und des Prinzen 
von Wales. Die Wände zunächst dem Schreibtische und dielen selbst 
schmücken nebst vielen anderen Gildern die Portraits der Königin Luise als 
Graut, der Kaiserin Angusta, eine Gleististzeichnung von Lauch ert, der Grosz- 
Herzogin-Groszmntter Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, Iriedrichs 
des Groszen nach Vanloo, Iriedrich Wilhelms III. von E. Gegas, der 
Zaren Alexanders I. von Dame und Nicolaus von M. Krüger, Iriedrich 
Wilhelms IV. von J. S. Otto, der Groszherzogin von Sachsen-Weimar, der 
Zarin Alexandra Reodorowna im Russischen Nationalkostüm, und ein Gild 
derselben mit Rosen im Haar von W. Hensel, der Königin Victoria von 
England und des Prinz-Gemahls Albert, des damaligen Kronprinzen 
Iriedrich Wilhelm und der Kronprinzessin Victoria, des Grolzherzogs und 
der Grolzherzogin von Gaden von Winterhalter, ein Gildnilz der Prinzessin 
Elisa von Radziwill, eine Aquarelle der Grolzherzogin von Gaden mit 
Hochzeitstage, eine Kreidezeichnung des Prinzen und der Prinzessin Iriedrich 
der Niederlande, ein Gouache-Gild der Prinzessin Gqron im Schottischen 
Kostüm und Aquarell-Gemälde der Groszfürstinnen-Töchter des Zaren 
Nicolaus, Eopieen nach Neff und Stieler von Alexeieff und W. Han; 
ferner des Prinzen Albrecht, des Zaren Alexanders II. und der Zarin 
Maria Alexandrowna von Winterhatter, des Kaisers Jranz Joseph von 
Oesterreich und des letzten Kaisers vom alten Deutschland Jranz II., 
welcher im vollen Krönungsornate, auf dem Throne sitzend, dargestellt iss. 
In der Nähe des zweiten, nach dem Opernplatze zu liegenden, 
Jensters steht auf einer Säule der, von einem gekrönten Adler getragene, 
vom Hofrath Louis Schneider eingerichtete, persönliche Kalender, welcher, 
bis zum Tode fortgeführt, für jeden einzelnen Tag alle Erinnerungen 
aus dem Leben des Kaisers enthielt. 
Ergreifend iss die links des historischen Eckfensters liegende Wand 
ausgeschmückt. Dort hängen liebe und theure Andenken an die Königin 
Luise, lange seidene Kranzschleifen mit aufgedruckten Daten. Die eine 
Schleife trägt die Inschrist: „10. März 1776", an welchem Tage die 
Königin Luise geboren wurde, eine andere: „179s", die Zahl des Jahres, 
in welchen: die Verlobung und Verehelichung der Eltern des Kaisers statt 
fand. Neben diesen, über dem Generalstabswerk 1870/71 befindlichen, 
Schleifen hängt eine solche in den Deutschen Jarben mit der Inschrist: 
„Gott schütze Kaiser Wilhelm!" Welch' ein gewaltiger Abstand zwischen 
der Zusammenkunft der Königlichen Dulderin mit dem korsischen Eroberer 
zu Tilsit und der hier so still, einfach und schlicht erfolgten, und dabei 
doch so überaus imposanten Huldigung der Königin durch Ihren, an der 
Spitze des groszen und mächtigen, neuen, einigen Deutschlands stehenden, 
Kaiserlichen Sohn! 
Der hochselige Kaiser liebte es in den letzten Lebensjahren, wenn 
Kränklichkeit oder schlechtes Wetter Ihn ans Zimmer fesselten, durch die 
drei vorderen Zimmer: das Arbeits-, das Vortrags- und das Empfangs- 
zimmer, auf einen Stock gestützt, hin und her zu promeniren, auf das 
Getrenlirhsse hierbei von Seiner hohen Geinahlin begleitet; selbst als 
körperliche Leiden die edle Kaiserin zur Genutzung eines Rollstuhls zwangen, 
nahm Sie noch an diesen gemeinsamen Proinenaden Theil. Zuletzt wurden 
die Mittagsmahlzeiten im Vortragszimmer eingenommen, der Thee des 
Morgens, wie früher der Kaffee, am Schreibtisch im Arbeitszimmer des 
Kaisers. 
Auszer den oben genannten Portraits befinden sich in diesen: Zimmer 
noch folgende Gemälde: Eine Spanierin von G. Lepaule, eine Dame 
mit weiszem Schleier von Schiavone, Italienerin von Ren::;, ein Gild 
der Malerin Emma Gaggiotti-Richards mit Pinsel und Palette und eins 
derselben in: weihen Mantel, von ihr selbst gemalt, ein Kopf mit Hut, von 
derselben nach van Dpck, Schweizerin von Remp, Undine von Stein 
brück, Russisches Juhrwerk, die Prinzliche Equipage, am Schlosse haltend, 
und zwei Pferde mit Stalldiener von I. Krüger, Wagen und Reitpferd, 
im Hintergründe Schlosz Eharlottenbnrg von C. Schultz, Eoblenz und 
Ehrenbreitenstein, eine Alte mit zwei tanzenden Kindern und Mandolin- 
spieler von Grouwer, Veberraschnng von Gecker, römisches Landmädchen 
von A. Riedel, zwei Niederländische Stillleben: todter Hase, Hund und 
todter Hase, Alter aus einem Jasse von Grouwer, Savoqardenknabe 
vor einem Kreuze von Klein, trauernde Dante im Gebet, ferner trauernde 
Dame am Grabe mit Glumenstranlz und die Ireude von Schiavone, 
Grieche von Remq, Savoparde von O. Kehler, Gaqerin von Stieler, 
ein alter Kopf, von I. Otto und Kopf des Erzengels Gabriel, von Paul 
Delaroche. 
An das Arbeitszimmer flöht ein einfenstriges Geinach, welches die 
Privat-Gibllothek des Kaisers enthielt. Gevor wir dasselbe betreten, er 
blicken wir die beiden, an der geöffneten Ilügelthür hängenden, von 
Ihrer Königlichen Hoheit der Iran Grolzherzogin von Gaden gemalten 
Gilder. Auf dem Gilde rechts sind zwischen Ganinzweigen und Glumen 
die Photographien der Kinder, Schwiegerkinder und Enkel des Kaisers 
vereinigt, ein Geschenk zun: 22. März 1877, den: achtzigjährigen Geburts 
tage. Auf dem Gilde links befinden sich die Photographien der Urenkel: 
des jetzigen Kronprinzen, der Prinzen Mel Iriedrich und Adalbert, des 
Prinzen Gustav Adolph, des dereinstigen Königs von Schweden, des 
Prinzen Wilhelm von Schweden und der Prinzessin Ieodore, der Tochter 
Ihrer Königlichen Hoheit der Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen; sie 
alle sind umschlungen von einen: Gande mit der Inschrift: „Wir gratntiren, 
Urgrohpapa!" und dem Datum: „22. s. 168Z". Wie oft mag das 
milde blaue Auge des Gott Io dankbaren Kaisers auf diesen Gildern 
geruht haben! 
Auch im 
Biblliothek-Iimmer, (Bilüt II), 
befinden sich zahlreiche Gilder und Güsten von Angehörigen des Königs 
hauses, die Gilder der Königlichen Ettern aus der Jugendzeit, der Königin 
Luile mit ihren Kindern, ferner die Königin Luise und die Kaiserinnen 
Angusta, Iriedrich und Auguste Victoria auf einem Gilde, die Photo 
graphien des jetzigen Kaiserpaares, des jetzigen Kaisers und Kronprinzen, 
ein Pastellbild des jetzigen Kronprinzen von Koppaq, ein Gild der Kron 
prinzessin von Schweden als Graut, die Güsten des damaligen Kronprinzen 
Iriedrich Wilhelm und des Prinzen Waldemar und ein marmornes Relief 
bild des damaligen Kronprinzen, von Schaler, ferner ein Gild des Garde- 
Hufaren-Regiments, an dessen Spitze sich der danmlige Prinz Wilhelm 
befindet, und ein Gild der beiden Prinzen von Schweden, ein Geschenk der 
Deutschen Stockholins zum 90. Geburtstage; auch ein Gild der Husaren- < 
Ouadrilte, die zur Hochzeitsfeier Seiner Majestät, des jetzt regierenden
	        
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