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Full text: Die Dankeskirche in Berlin / Orth, August

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besser austrocknen zu lassen, theils zu Lüftungs- und Hei 
zungszwecken. Die Seitenwände des Kreuzschiffes sind nur 54 cm 
stark; zwar weisen sie, wie die übrigen aufsen l 1 /^ und innen 
Y 2 Stein auf, doch ist die Luftschicht entsprechend geringer. 
In den hinteren Eckpfeilern liegen Schomsteinrohre, von denen 
das gröfsere links vom Chor für die Warmwasserheizung dient 
und über dem Gewölbe nach der Kreuzschiffecke gezogen ist, 
woselbst es weniger auffällt. Die Heizung erfolgt unterhalb 
des Fufsbodens durch Perkins-Kohre. Die warme Luft strömt 
unter den Fufsbretten aus, während die Absaugung der kalten 
Luft seitlich von den Gängen aus durch die Erhöhung des 
Fufsbodens der Sitze ermöglicht wird. Auch von den Fenstern 
wird die kalte, daselbst herabfallende Luft mittels der Luftschicht 
in den Wänden den Heizrohren unter dem Fufsboden zugeführt. 
Mehrere Schornsteinrohre in den Wänden sind nicht benutzt, 
sie waren zu Lüftungs- und Heizungszwecken bei der ursprüng 
lich in Aussicht genommenen Warmluftheizung bestimmt. 
Die Kirche ist entworfen und grofsentheils ausgeführt, be 
vor der Wiener Eingtheaterbrand fast überall wesentlich erhöhte 
Anforderungen betreffs der Zugänglichkeit grofser Versammlungs 
räume hervorrief. Für den vorliegenden Fall bewirkten diese 
neuen Anforderungen nur, dafs die Thüren nach aufsen auf 
schlagend eingerichtet werden mufsten und deshalb das noch 
nicht ausgeführte Portal eine gröfsere Tiefe erhielt. Baupoli 
zeilich wird in Berlin auf Grund eines früheren Gutachtens der 
Akademie des Bauwesen verlangt, dafs für je 150 Sitzplätze 
einer Kirche 1 m Ausgangsweite und für je 120 Sitzplätze der 
Empore 1 m Treppenweite vorhanden sei. Jedoch ist in neuerer 
Zeit von der genannten Körperschaft in dem Gutachten über 
einen Entwurf des Hnterzeichneten zur Emmauskirche (Nr. 29 
des Centralblatts der Bauverwaltung vom 20. Juli 1889) 
erklärt worden, dafs diese Anforderungen für gewölbte Kirchen 
nicht unbedingt nothwendig erscheinen. Auch von der Bauver 
waltung der Stadt Berlin angestellte Versuche über die Schnellig 
keit der Entleerung von Schulen beweisen dies. Für grofse 
Kirchen wird eine solche Anforderung besonders unbequem, auch 
wird starker Zug schwer zu vermeiden sein. Es haben, um 
ein altes Beispiel einer gut zugänglichen Kirche anzuführen, 
im Kölner Dom sämtliche Thüren zusammen etwa 24 m Weite 
und würden demnach 3600 Sitzplätze nach obiger Annahme 
zulässig sein, während wohl 6 bis 7000 feste Sitze, welche 
jetzt fehlen, darin unterzubringen sind. Aber bei Festen, wo 
fast alles steht, mögen wohl 10 bis 12 000 Menschen hinein 
gehen. Es würden dann ohne feste Sitze bei einer Panik die 
Menschen unendlich viel rascher dem Ausgang Zuströmen. 
Meines Wissens ist aber im Kölner Dome noch kein solches 
Unglück vorgekommen. Eingehende Versuche über die Schnellig 
keit der Entleerung, besonders auch grofser Kirchen bei starkem 
Besuche — und zwar Kirchen mit festen Sitzen und ohne solche — 
erscheinen überaus wünschenswerth. In der Dankeskirche sind an 
Thüren vorhanden 4 • 1,25 m + 2 • 1,1 m == 7,20 m. Kechnet 
man auf 1 m Thür 150 Sitze, so ergiebt dies 1080 Plätze, 
eine Zahl die hier nicht wesentlich überschritten wird. Zu den 
Emporen führen zwei Treppen, jede 1,25 m breit, zusammen 
also mit 2,5 m Treppenbreite. Eechnet man auf das Meter 
120 Sitzplätze, so würden 300 solcher zulässig sein, während 
die Kirche 345 aufweist, Verhältnisse, die meines Erachtens 
vollauf genügen, da auf je 200 Sitzplätze 1 m Thür, und 
für je 150 Emporenplätze je 1 m Treppenbreite ausreichend 
erscheinen. 
Für grofsstädtische Kirchen hat man in neuerer Zeit fast 
durchweg eine Einwölbung für nothwendig erachtet, eines- 
theils, um den Kirchgängern das Gefühl gröfserer Sicherheit zu 
geben, damit plötzlicher Schrecken weniger gefährlich wirke, 
andrerseits, um in der That innerhalb des grofsen Häusermeeres 
eine gröfsere Feuersicherheit zu erzielen. In neuerer Zeit ist 
eine ganz neue Kirche, wie es scheint, infolge der Heizanlagen 
abgebrannt, sodafs auch für Kirchen, die ja im übrigen als 
weniger durch Feuer gefährdet gelten, eine möglichst feuer 
sichere Herstellungsweise geboten erscheint. In der Dankes 
kirche sind deshalb alle Decken auch in den Nebenräumen ge 
wölbt angenommen, ebenso ruhen die Emporen auf Gewölben. 
Von einigen Verankerungen abgesehen, ist Eisen dabei mög 
lichst vermieden. Die Anker aber liegen grofsentheils im Mauer 
werk, sodafs sie Temperaturveränderungen nicht wesentlich aus 
gesetzt sind. Nur die Verankerungen der Orgelempore, welche 
als steife Anker zugleich die Fufsbodenlager aufnehmen, sind 
nicht durchweg von Mauerwerk umschlossen. Die Hauptanker 
liegen in den ausspringenden Emporen-Ecken. Sie sind daselbst 
besonders während der Zeit, wo der Mörtel noch frisch ist, von 
Bedeutung. Bei den freien Säulen des Langschiffes, welche, 
wie Abb. 4 zeigt, mit den äufseren Strebepfeilern verankert 
sind, unterstützt der Anker noch die Wirkung dieses Pfeilers, 
welcher übrigens durch die Gewölbe nicht erheblich in An 
spruch genommen wird, da der Hauptgewölbeschub sich auf 
die kräftigen Verstrebungen des Kreuzsehiffes sowie auf Thurm 
und Chor überträgt. Auch letzterer bildet durch die unteren 
Wände eine kräftige Verstrebung. Der auf den Thurm ge 
richtete Gewölbeschub entlastet zugleich die Säulen an der 
Innenseite des Thurmes, welche durch schräge Uebertragung 
die oberen Strebepfeiler des Thurmes an dieser Seite aufnehmen 
(s. Abb. 5). Der Thurm selbst ist in Emporenhöhe an der Seite 
nach der Kirche, dann oberhalb der Gewölbe, und zwar hier in 
der ganzen Breite des Langhauses, verankert, aufserdem rings 
um in Kämpferhöhe der Glockenhausfenster, durch die Decken 
träger und Anker in Thurm-Hauptgesimshöhe und schliefslicli 
unterhalb des obern Eundbogenfensters des Helms. Das Thurm-
        
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