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Die Bauplatz-Frage für das neue städtische Verwaltungs-Gebäude

Full text: Zur Wahl des Bauplatzes für das neue städtische Verwaltungs-Gebäude / Kampffmeyer, Theodor

Und nun gar erst die Gestalt dieses Bauplatzes! Im günstigsten Falle als Dreieck zu 
behandeln, bietet dieser Bauplatz die unglücklichste Form, die je ftir ein öffentliches Ver 
waltungs-Dienstgebäude, wo Lust und Licht von allen Seiten die erste Grundbedingung 
bildet, existirt hat. Dieser Mangel au Luft und Licht wird sich besonders auf der Seite 
am Krögel äußerst fühlbar mache». Hiernach dürste es auch erklärlich sein, weshalb der 
Königliche Fiskus dies anscheinend so vortheilhaste Bauterrain bei seiner so bevorzugten 
Lage bisher nicht selbst schon ftühcr baulich ausgenutzt hat. 
Ob bei der unvermeidlichen Abrundung des Bauplatzes am Molkenmarkt das daraus 
zu erbauende städtische Verwaltungs-Gebäude in seiner durch die Umstände gebotenen un 
glücklichen Drcicckssorm den erhofften „imposanten Eindruck" Angesichts des so nahen 
Berlinischen Nathhauses machen wird, dürfte hiernach mehr als zweifelhaft sei». Die 
praktische bauliche Ausnutzung dieses Komplexes in einer dem hohen Kaufpreise wie dem 
würdigen Bauzwecke angemessenen Weise wird daher für die Herren Architekten eine 
ebenso undankbare, wie schwerlich allen Anforderungen gerechtwerdende Aufgabe sein. 
II. Ter Grundstücks-Komplex Stralauer Straße No. 38. bis 4>. tues. 
umfaßt bei einem Kostenpreise von angeblich 4 448 990 Mk. II 430 IHM. 
stur Anlage der Uferstraße würde bei diesen Grundstücken kein Terrain 
aufzuwenden sein. Für die Verlängerung der Jüdeustraße bis zur Spree 
bei einer Breite von 19 M. würden . 
abzutreten sein, so daß effektiv ... 9 302 crJDi 
an 3 Straßenfronten zu bebauen sein würden. 
Die Preislage dieses Terrains unter Zugrundelegung eines Kaufpreises von 4 448 990 
Mark beziffert sich demnach pro lHM. auf "389,24 Mk. oder pro luRutbe auf 5452 Mk. 
Aus dem Abbruchswerth der Baulichkeiten dürften sich etwa lOuOOO Mk. ergeben, um 
welchen Betrag fick der Ankaufspreis ermäßige» würde. 
Die Entfernung vom Berlinischen Rathhansc beträgt ungefähr 170 Mtr. Die bauliche 
Ansuutzung würde in 4 Stockwerken erfolgen können. 
Die äußere (Gestalt dieses Bauplatzes bei seiner beinahe rechteckigen Formation wäre 
die denkbar beste aller in Frage stehenden Projekte. Bedauerlich bleibt blos das eine, 
daß dieser Komplex nach Stralauer Straße 47. nicht frei zu legen ist wegen des Apotheken- 
.Grundstückes, dessen Inhaber eine Real-Eoncessiou besitzt, welche ohne erhebliche Opfer 
kaum zu beseitigen sei» möchte. Ob ferner ein solches i» Folge seiner Lage eine haus 
backene Nüchternheit nicht verleugnendes, zwischen Häuservierecken eingezwängtes Gebäude 
ein der Würde der Reichshauptstadt entsprechendes harmonisches Ganze bilden würde, 
dürfte mehr ivie zweifelhaft sein. 
III. Der Grundstücks-Komplex au der Parochial-, Kloster-, Stralauer-, Jüdenstr. 
umfaßt die Hausgrundstücke Parochialstraße No. 9—18., Klosterstraße No. 47—59., 
Stralauer Straße No. 15—22. und Jüdeustraße No. 34—42. in einer 
Größe von 13359 □')!!. 
ist vom Berlinischen Rathhause ca. 200 Mtr. entfernt und kostet 
5 905 860 Mark. Es beträgt somit der Preis pro □M. 442,09 Mk. 
oder pro lURuthe 6191 Mk. Behufs praktischer baulicher Ausnutzung 
sind zur Straßenvcrbreiterung auf — 22 Mtr. herzugeben . . . . 3113 lDM. 
so daß netto Bauterrain 10 246 □Ä. 
verbleiben. 
Aus dem Abbruchswerth der Baulichkeiten dürften sich etwa 150000 Mk. erzielen 
lassen, so daß sich der Netto-Einkaufspreis auf 5 755 860 Mk. berechnet. 
Dieser Bauplatz kann jedoch zur baulichen Ausnutzung nur dann fruchtbar gemacht 
werden, wenn die Straßenbreiten auf 22 M. gebracht werden: dann erst kann 5 Geschosse 
bock gebaut werden. Ob aber in Folge des starken Zurücktretens von der Bauflucht 
linie in allen 4 Straßenfronten die architektonische Wirkung dieses Baues eine empfeh- 
lenswerthe und günstige genannt werden kann, muß entschieden verneint werden, weil 
der Gesammteindruck dieses städtischen Verwaltungsgebäudes in seiner architektonischen 
Wirkung zu sehr abgeschwächt und verwischt wird. Außerdem besieht die Oiesahr, daß, 
wenn erst die Straße» auf 22 M. verbreitert worden sind, die Besitzer der vis-ii-vis bc- 
legenen Grundstücke sich die ihnen auf Kosten der Stadtgemeinte dargebotene Gelegen 
heit nicht entgehen lassen werden, durch entsprechende hohe Neubauten ihren Oiruudbesitz 
besser auszunutzen und dadurch gewissermaßen eine Verdunkelung der Luft- und Licht 
verhältnisse des' städtischen Verwaltungsgebäudes herbeizuführen. 
IV. Der Grundstückskomplex Stralauer Str. 48. bis iucl. 57. und die ganze 
Kleine Stralauer Straße No. 1—14. 
umfaßt 12 814 häM. 
Mit dem Erwerb dieses Komplexes für die Stadtgemeinde Berlin war 
geplant worden die Einziehung der Kleinen Stralauer Straße und die 
Verlängerung der Klosterstraße bis zur Spree. 
Es würde alsdauu diesem Areal noch hinzutreten das Straßenland der 
Kleine» Stralauer Straße mit ca. . 886 □'■Ui. 
13 700 □'Ui. 
Dagegen zu kürze» sein: 
für die Klosterstraßen-Verlängerung in derselben Straßeubrcitc ca. . . . 1 515 SiM. 
>2 185 □M.. 
und für die au dieser Klosterstraßen-Verlängerung nach dem Molkenmarkte 
zn belegenen 4 Baustellen, welche abverkauft werden können, ca. . . . 940 □M. 
bleiben 11 245 □M. 
RalsbibÜofhck 
Föcboht der Berliner Stadtbibll«theß
        
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