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Die Bauplatz-Frage für das neue städtische Verwaltungs-Gebäude

Full text: Zur Wahl des Bauplatzes für das neue städtische Verwaltungs-Gebäude / Kampffmeyer, Theodor

I 
Die Banplatz-Frage 
für das 
neue städtische 
Verwaltungs-Gebäude. 
In der Angelegenheit, betreffend die.Errichtung eines neuen städtischen Verwaltungs- 
Gebäudes in Berlin, wird der seitens der Stadtverordneten-Versanimlnng beziebungsiveise des hierzu 
ernannten Ausschusses vom Magistrate eingeforderte zahlenmäßige siiachweis für das unabweisbare 
Bedürfniß der Errichtung dieses neuen Verwaltungs-Gebäudes den gehegten Ewartungen ent 
sprechend voraussichtlich in ganz ausführlicher und überzeugender Weise erbracht werden. 
Es wird sich alsdann der gedachte Ausschuß eingehend mit der Frage der Wahl des Bau 
Platzes zu beschäftigen haben. Diese Erörterungen werden sowohl vom Standpunkte praktischer 
baulicher Ausnutzung des Banplatzes in Verbindung mit der architektonischen Harmonie zu den 
Umgebungs-Verhältnissen, als auch ganz besonders vom Standpunkte der durch die gegenwärtige 
Finanzlage der Statt bedingten ökonomischen allgemeinen Beurtheilung des Bauprojektes zu er 
folgen haben. 
Für die Platzfrage stoben zur Zeit 4 Projekte zur engeren Wahl, und zwar ist die Reihen 
folge dieser Projekte, entsprechend der örtlichen Page vom Molkcnmarkt nach der Renen Friedrich- 
straße, folgende: 
l. Das fiskalische Terrain am Molkenmarkt in Verbindung mit dem städtischen 
Grundbesitz daselbst. 
ll. Der Grundstücks-Kompler Stralauer Str. 38—46. incl. 
HI. Der Grundstücks-Kompler an der Parochial-, Kloster-, Stralauer- und 
Juden straffe. 
IV. Der Grundstücks-Kompler Stralauer Str. 48 - 57. incl. unk die ganze Kleine 
Stralauer Straße. 
Betrachten wir zunächst ein jedes einzelne Projekt auf seine Größe, Orts- und Preislage, 
praktische Bebaubarkeit und sein harmonisches Architektur-Verhältniß zu seiner Umgebung. 
I. Am Molkenmarkt beträgt der städtische Grundbesitz, unmittelbar am 
Mühlendamm belegen, • 2 383 □'Di. 
und der fiskalische Besitz (Molkenmarkt No. l.,2. und 3. sowie Stralauer 
Straße No. 32. umfassend) '4 374 □ÜDi. 
Insgesammt I i 957 D'Di. 
Leider kann eine Angabe über die Größe des- Straßenlandes ’ „Am Krögel", welches 
in die geplante Bebauung mit hineinzuziehen sein würde, nicht gemacht werden. 
Das vorhandene Gesammt-Areal von '. . 1 . 11957 □&!. 
würde sich durch das zur Anlage der Uferstraße und zur Verbreiterung des 
Molkenmarktcs sowie der daran angrenzenden Stralauer Straße herzu 
gebende Straßenland von ea 2 300 □(Dt. 
bis auf 9 3.57 Q®. 
vermindern und der für ein größeres Verwaltungs-Gebäude so wcrthvollen Annehmlichkeit 
entbehren, an 4 Straßenfronten zu liegen. Eine solche Lage ist aber bei den Verkehrs- 
Verhältnissen der Reichshauptstadt nicht nur als- wünscheuswerth, sondern geradezu als 
ein gebieterisches Erfordernis! zu bezeichnen. 
Sie Preisforderung für das fiskalische Terrain dürfte sich dem sicheren Vernehmen 
nach auf mindestens 6uü Mk. pro hsiM-, d. i. pro dRilthe auf 8500 Mk. stellen. Es 
würde also hiernach das fiskalische Terrain allein schon 5 744 400 Mk. kosten. Ver 
anschlagt man nun noch den Werth des städtischen Areals von 2383 Öl. blos auf 
500 Mk. pro □'Di., so würde dies eine Preislage von 1 191 500 Mk. ergeben, was einen 
Gcsammtpreis beider Terrains von 6 935 900 Mk. ausmachen würde. Somit dürfte das 
in Aussicht genommene Molkenmarkt-Terrain nicht nur das- kleinste, sondern auch theuerste 
aller anderen Projekte sein. 
Nicht zu verkennen ist, daß die unmittelbarste Nähe dieses Komplexes zum Berlini 
schen Rathhause bei Erwägung der Bauplatzfrage für das neue städtische Verwaltungs- 
gebändc auf den ersten Blick einen gewissermaßen bestrickenden Reiz auszuüben vermag. 
Ob aber der zu einer gewissen Blüthe getriebene „Molkenmarkt-Kultus" deshalb mit 
Millionen ausgewogen werden soll und muß, zumal beinahe eben so nahe gelegene, und 
erheblich wohlfeilere Bau-Objekte vorhanden sind, ist eine andere Frage.
        
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