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Zur Geschichte Berlins 4. Die Zeit des grossen Kurfürsten und König Friedrichs I.

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Ständige Garnison. Eestungsbaulast. 
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4. 
Die Zeit des grossen Kurfürsten und König Friedrichs I. 
Die Regierung des grossen Kurfürsten nahm 
der Residenz den mittelalterlicher Charakter ihrer 
äusserlichen Erscheinung. Es gelang ihrer Ein 
sicht unter manchen Kämpfen gegen die Standes- 
vorurtheile, einem alten Uebelstande abzuhelfen, die 
unangemessene Yertheilung der staatlichen Lasten 
in der Einwohnerschaft zweckmässiger zu ordnen. 
An der hergebrachten Verfassung und Verwaltung 
der Residenz beabsichtigte der Kurfürst nichts zu 
ändern, es traten auch keine dahingerichtetenWünsche 
an ihn heran, aber durch besondere neue Anlagen 
und durch Einrichtungen auf Gebieten, wo die 
städtische Obrigkeit zuständig war, schuf er doch 
Hindernisse für den Fortbestand dieser Verfassung, 
so dass im 18. Jahrhundert die Umgestaltung unab 
weisbar wurde. 
Das Bild einer mittelalterlichen Stadt verschwand 
durch die Umgestaltung in eine Festung neueren 
Systems. Die Nothwendigkeit des Festungsbaues 
bewiesen dem Kurfürsten die Erfahrungen des 
grossen Krieges. Für die Stadtgemeinde verband 
sich damit die wichtige Folge, dass Berlin Garni 
sonstadt wurde. Die Belegung mit einer Garnison 
war die Einleitung der neuen Befestigung. Denn 
da die Bürgerschaft sich zur Vertheidigung ihrer 
Stadt so ungeeignet gezeigt hatte, musste zu 
erst für eine Besatzung von zuverlässigen Truppen 
gesorgt werden. Auch die Durchführung des 
Festungsbaues selbst verlangte militärische Hilfe. 
Schon während des Krieges nahmen die Bürger 
zeitweise, 1639 bis 1641, ein Regiment landesherr 
licher Truppen in ihre Mauern auf, später hatten 
dann die vier Kompanien der kurfürstlichen Leib 
garde in der Residenz ihr eigentliches Stand 
quartier, das sie freilich nur unregelmässig be 
nutzen konnten. Also war eine Garnison keine 
ganz neue Einrichtung mehr für Berlin. Man kannte 
die Nachtheile, die sich damit, bei der damaligen 
Zusannnensetzung der Truppen und bei ihren An 
sprüchen, für die Obrigkeit und für die Bürger 
verbanden. Der Magistrat erhob aber amtlich 
keinen Einspruch, als die Stadt 1657 mit einer 
starken Besatzung bedacht wurde. Die neue Gar 
nison bestand für Berlin aus 5 Kompanien des 
Generalmajors von Uffeln, 8 des Grafen Wittgen 
stein, 4 des Obersten von Hundebeck, im ganzen 
aus 1498 Mann, nebst 579 Weibern und Kindern; 
für Köln lässt sie sich nicht angeben, wahrschein 
lich war für Köln die kurfürstliche Leibgarde be 
stimmt. 1659 lagen in Berlin 6 Kompanien des 
Regiments Uffeln mit 675 Mann, 8 des Regiments 
Grönde mit 725 Mann, in Köln 4 Kompanien der 
Leibgarde mit 515 Mann. Für eine Stadt von dem 
Umfange Berlins bedeutete dies eine schwere Ein 
quartierungslast, um so mehr als sie ausschliesslich 
auf dem mittleren Bürgerstande ruhte. Denn neben 
150 von vornehmeren Leuten bewohnten, einquar 
tierungsfreien Häusern und 156 wüsten gab es in 
Berlin 1657 nur 508 belegbare, von denen die 
ihnen zugeschriebenen Soldaten ohne Entschädigung 
aufgenommen werden mussten. Das krachtsche 
Regiment hatte allerdings seiner Zeit ausser Quar 
tier auch Unterhalt und Löhnung von der Gemeinde 
erhalten. Dies beides trugen jetzt bei der dauernden 
Garnison die Stände, die Stadt gab nur die Quar 
tiere. Auch hierfür verlangte die Bürgerschaft 
von den Ständen Ersatz, und der Magistrat be 
rechnete für die Zeit von 1657 bis 1665 die Summe 
von 156000 Thlr., die Stände lehnten aber die 
Verpflichtung zur Entschädigung ab. 
Die Arbeiten an den Festungsbauten begannen 
1658. Der Magistrat erhob dagegen ebenso wenig 
Widerspruch wie gegen die Einführung der stän 
digen Garnison, sondern fügte sich ohne weiteres 
den kurfürstlichen Anordnungen, obwohl sie vor 
aussichtlich für die Gemeinde Kosten und Verlust 
an Eigenthum zur Folge haben würden. Doch 
versuchte er wenigstens den Beweis zu führen, 
dass die Stadtgemeinde nicht allein zur Ueber- 
nahrne der Kosten verpflichtet sei. Der Bau der 
Festung, ebenso wie die Unterhaltung der Garnison 
seien Landessachen und somit die Ausgaben durch 
die Stände zu bestreiten. Die Stände lehnten aber 
in den 1661 bis 1665 hierüber gepflogenen Ver 
handlungen jede Beitragspflicht ab, wenn sie ihnen 
auch aus dem römischen Rechte ausführlich nach 
gewiesen wurde. Auf dem Rechtswege beim 
Kammergerichte seine Forderung zu erreichen, 
hielt der Magistrat für aussichtslos, also fiel die 
Last der Bürgerschaft allein zu, soweit nicht der 
Landesherr aus gutem Willen für eine Erleichte 
rung sorgte. Berlin und Köln behaupteten, bis 
1665 einen Vorschuss von 16600 Thlrn. geleistet 
zu haben. Wieviel sie bis zur Vollendung des
        
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