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Zur Geschichte Berlins 2. Die Zeit von 1470 bis zum dreissigjährigen Kriege

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Der Schoss im 16. Jahrhundert. 
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auf die einzelnen Gemeinden nach althergebrachten 
Yerhältnisszahlen gemacht, wobei auf die soge 
nannten Hauptstädte ungefähr die gleichen Antheile 
fielen. Berlin und Köln rechneten dabei für eine 
Stadt. Die oberste Leitung der Städtekasse än 
derte dies Verfahren. Sie legte für die Verthei- 
lung der verlangten Gelder die vorhandenen 
Schosskataster der einzelnen Städte zu Grunde, 
berechnete danach ihre Beitragsfähigkeit und setzte 
ein Soll fest, das jede jährlich einzuliefem hatte. 
1567 wurden unter ständischer Aufsicht neue 
Taxirungen in allen Städten vorgenommen und 
danach neue Kataster aufgestellt. Die ältesten 
uns erhaltenen berliner Schossbücher verdanken 
dieser Massregel ihre Entstehung. Nach diesen 
Büchern betrug in Berlin der Vorschoss für ein 
Wohnhaus 3 Thlr. jährlich, nur einige kleinere 
bezahlten weniger. Man kann ihn durchschnitt 
lich auf 1 j a Prozent vom abgeschätzten Werthe des 
Grundstückes veranschlagen. Der Fundschoss 
von den Feldgütern, vom Haus und dem beweg 
lichen Vermögen machte etwa 2*^ Prozent des 
Taxwerthes aus. 
Die Summe der direkten Steuern, die das 
Kreditwerk in Anspruch nahm, belief sich demnach 
auf etwa 3 Prozent von dem durch die Kataster 
festgestellten Vermögen des Besteuerten. Die Zahl 
der direkten Vermögenssteuern war damit aller 
dings noch nicht erschöpft. Man hatte zeitweise 
noch zwei andere zu leisten, die Türkensteuer 
(eine Reichssteuer) und die Fräuleinsteuer (eine 
landesherrliche). Das Kreditwerk hatte ihre Ein 
ziehung ebenfalls übernommen. Aber sie wurden, 
ihrer besonderen Veranlassung gemäss, selten er 
hoben und erhöhten den obigen Prozentsatz nur 
unbedeutend. 
Der Magistrat hatte jährlich den Schoss an die 
Städtekasse abzuführen, und zwar ohne Rücksicht 
auf den Ertrag, in Höhe einer ihm als Soll vor 
geschriebenen Summe. Die Abrechnung mit der 
ständischen Kasse bildete in der Jahresrechnung 
des Magistrats, in die man sie mit aufzunehmen 
pflegte, bei weitem den wichtigsten Titel. In 
Köln stellte sich der städtische Haushalt 1569 in 
Einnahme und Ausgabe auf rund 4400 Thlr., wo 
von etwa 2000 als Ertrag des Schosses an die 
ständische Kasse gingen, in Berlin 1571 auf 
8000, wovon 3700 auf Schossausgabe fielen. 1578 
lieferte der berliner Magistrat 5200 Thlr. Schoss 
der Städtekasse ab. Aber dieser eingezahlten Summe 
standen nur 5000 als Ertrag des Schosses aus der 
Bürgerschaft gegenüber. Der Magistrat musste 
also schon den Ausfall aus anderen Mitteln er 
gänzen. Trotzdem wurde damit das von der 
Städtekasse verlangte Soll, das für dieses Jahr 
5772 Thlr. betrug, noch nicht erreicht. Die Ein 
nahme an Schoss blieb demnach hinter der Aus 
gabe und beide hinter dem Soll nicht unbeträcht 
lich zurück. Diese Erscheinung wiederholte sich 
von da ab in allen Jahresrechnungen, in den 
kölnischen ebenso wie in den berlinischen. Wie 
bereits erwähnt wurde, gestaltete sich aber im 
übrigen der Haushalt der beiden Städte günstig, 
die Erträge der Kämmerei wuchsen von Jahr zu 
Jahr bis gegen 1623, und in der städtischen Ver- 
Avaltung ergaben sich Ueberschüsse. Der Wider 
spruch — auf der einen Seite Rückgang der 
Leistungsfähigkeit und scheinbare Unmöglichkeit 
den Forderungen der Stände gerecht zu werden, 
auf der anderen Seite zufriedenstellende Lage der 
Finanzen — erklärt sich dadurch, dass die Ge 
meindeverwaltung wohl über reichliches Einkommen 
verfügte, die Schosspflichtigen aber hiervon keine 
oder nur ungenügende Unterstützung genossen. 
Die Schosspflichtigen waren die Hauseigen- 
thümer, denn die Verpflichtung haftete an den 
Häusern. Die schossbaren Grundstücke befanden 
sich aber zum grossen Theile in Händen von 
Bürgern geringen oder nur mittelmässigen Wohl 
standes. Viele Zünfte hatten, um die Vermehrung 
der Meisterzahl möglichst zu verhüten, durchzu 
setzen gewusst, dass zur Meisterschaft ein eignes 
Haus nöthig sei. Daher war eine grosse Zahl 
von Häusern im Besitze unbemittelter Handwerker, 
denen es schwer wurde, das baare Geld für die 
Steuer aufzubringen. Denn die Steuer war hoch 
und drückend, weil der Prozentsatz nicht nach 
dem Ertrage des Besitzes berechnet wurde, son 
dern nach dem Werthe von Haus und Habe, 
gleichviel ob sie dem Eigenthümer etwas ein 
brachten oder nicht. Von der Habe sollten nur 
der Harnisch des Mannes und was seine Familie 
auf dem Leibe trug steuerfrei sein. 
Der Schoss liess sich nicht überwälzen, weil 
die Besitzer ihre Häuser allein bewohnten, eine 
Vermiethung von Wohnungen im heutigen Sinne 
noch nicht stattfand, weil ferner dem Handwerker 
der Preis für seine Erzeugnisse meist durch Taxen 
festgesetzt war. Da die Steuer viele Jahrzehnte 
in unverminderter Höhe forterhoben wurde, konnten 
nur die wohlhabenderen Eigenthümer ohne Rück 
stände bleiben. Der kurfürstliche Hofstaat aber 1 , 
der Adel, die Staatsdiener, Rathsherren, überhaupt 
viele vermögende Einwohner sassen entweder in
        
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