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Zur Geschichte Berlins 1. Berlin im Mittelalter

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Massregoln der Städte dagegen. 
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i. J. 1447 scheint sie sehr entschieden aufgetreten 
und mit Einziehung von Lehen einzelner Bürger 
in umfassender Weise vorgegangen zu sein. Die 
Massregel musste in der ganzen Stadt aufregend 
wirken, denn sie traf nicht bloss die reichbe 
güterte Bürgerschaft. Es sei daran erinnert, dass 
auch das kleine Kapital an diesen Geschäften An- 
theil hatte, indem einzelne Hebungen und Nutzun 
gen aus Lehngütern durch Verpfändung von 
Hand zu Hand und Theilung zersplittert worden 
waren. Die Bürgerschaft in allen Schichten befand 
sich also in Mitleidenschaft. 
Als der Kurfürst bei dem Ausgleiche vom 
29. August 1442 das Vermögen der gesammten 
Stadtgemeinde so bedeutend gekürzt hatte, fügten 
sich die Berliner gehorsam dem strengen Rechte. 
Verluste der Gemeinde werden weniger schwer 
empfunden, als Einbussen am privaten Vermögen. 
Jetzt, wo es sich um den Besitz des einzelnen 
Bürgers handelte, verleitete sie die Erregung zu 
unüberlegten Schritten. Sie suchten der Unter- 
thanenpflieht zuwider in und ausserhalb der Mark 
Verbindungen zu ihrer Hilfe anzuknüpfen, störten 
den Schlossbau gewaltsam, wehrten kurfürstlichen 
Dienern den Verkehr mit der Stadt, vergriffen 
sich am Eigenthume des Kurfürsten durch Be 
schlagnahme der Mühlen und der Zölle und setzten 
seinen Richter gefangen. Es kam soweit, dass sie 
gewaltsam die kurfürstliche Lehnskanzlei im alten 
Schlosse erbrachen, um die urkundlichen Beweise 
vernichten zu können, aus denen der Kurfürst 
seine Ansprüche auf verfallene landesherrliche 
Lehen herleitete. Allerdings erscheinen die sich 
steigernden Ausschreitungen der Bürger zum Theil 
dadurch erklärlicher, dass der Kurfürst, trotz aller 
in der Stadt über seine Massregel herrschenden 
Aufregung, fortfuhr streitige Lehngüter wirklich 
in Besitz zu nehmen und an dritte Personen zu 
vergeben. 
Andrerseits bewies Kurfürst Friedrich im Ver 
laufe des Streites grosse Nachsicht. Schon ehe 
die Berliner wirklich ungesetzliche Schritte be 
gangen hatten, bewogen ihn die drei Hauptstädte 
Brandenburg, Frankfurt und Prenzlau in einen 
gütlichen Ausgleich zu willigen. Eine aus den 
mittelmärkischen Ständen niedergesetzte Kom 
mission unterzog sich auch im Dezember 1447, 
obwohl vergeblich, der Aufgabe, diesen Ausgleich 
zu Stande zu bringen. Ein zweiter Versuch, die 
Streitfragen durch ständische Abgeordnete ent 
scheiden zu lassen, scheiterte an dem abweisenden 
Verhalten der Berliner. Verführt durch die Nach 
sicht des Kurfürsten, mochten sie diese für 
Schwäche ansehen, hatten auch bereits die Arbeiten 
am Schlossbau gewaltsam verhindert. Nunmehr 
beschritt der Kurfürst den Rechtsweg. Er for 
derte im Februar 1448 die Schuldigen vor seinen 
städtischen Richter Balthasar Hacke in Berlin. 
Nachdem die Angeklagten, anstatt Folge zu leisten 
— wir wissen nicht, durch welche besondere An 
reizung bewogen — sogar den Richter gefangen 
genommen hatten, lud dann der kurfürstliche Hof 
richter Peter von der Groeben sämmtliche berliner 
oder Alters wegen gefreit wären“ zum 12. März 
1448 vor sein Gericht nach Spandau. Die Vor 
ladung soll nach Küster über 300 Bürger nament 
lieh aufgeführt haben. Aber niemand von den 
Geladenen erschien. Nochmals trat eine Anzahl 
märkischer Städte, unter ihnen auch altmärkische, 
am 1. April zu Vermittelungsvorschlägen zusam 
men, und der Kurfürst gab abermals nach und 
willigte ein, dass aus Mitgliedern der mittelmärki 
schen Stände, und zwar solchen, die auch den 
Städten Berlin und Köln genehm wären, ein 
Schiedsgericht gebildet würde, dessen Spruch sich 
beide Theile unterwerfen sollten. Aber auch diesen 
letzten Vorschlag wiesen Berlin und Köln zurück. 
Der Kurfürst konnte sich nun so auf die Unter 
stützung des ganzen Landes, das Recht des Landes 
herrn zu wahren, verlassen, dass er seine märki 
schen Stände als Richter in der Sache anrief. 
Nicht als Schiedsgericht sollten sie entscheiden, 
sondern als ein ordentlicher Gerichtshof. Die vor 
nehmsten Vertreter der Stände, aus Prälaten, 
Ritterschaft und Städten der Mittelmark versam 
melten sich im Mai 1448 in Spandau. Der Kur 
fürst als Kläger hatte fünfzehn verschiedene Klagen 
gegen die beiden Städte vorzubringen. Sie gingen 
darauf hinaus, dass die angeklagten Bürger „ihm 
alles ihres Gutes verfallen seien“. Für die ge 
waltsamen Störungen des Schlossbaues aber klagte 
er wegen „handhafter That“, wonach sie „alle 
ihrer Leiber und ein jeder besonders seines Leibes 
verfallen seien“. 
Bei diesem bedrohlichen Ausgange der Sache 
Hessen es die beiden Städte nun doch nicht zum 
äussersten kommen. Aus den versammelten Stän 
den vermittelten ihnen der Bischof von Branden 
burg, der Fürst Adolf von Anhalt, Graf Albrecht 
von Lindow, der Hochmeister der Johanniter und 
die Vertreter der Städte Brandenburg, Frankfurt 
und Prenzlau am 25. Mai noch einen Vergleich 
unter verhältnissmässig glimpflichen Bedingungen.
        
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