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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Denkmäler bürgerlicher Baukunst. 
Motive. Beispiele bieten hierfür vor Allem der 
bekrönende Sculpturschmuck der Königs- und 
Spittelkolonnaden und einiger Kasernen. — Bei 
den Treppen, welche noch eine Zeit lang die ge 
rundete Form beibehalten, treten an Stelle der 
schmiedeeisernen Gitter Geländer mit hölzernen, 
brettartig geschnittenen Balustrepfosten, später das 
auch für die Möbel jener Zeit so bezeichnende 
Stab werk. 
In der Composition mehrstöckiger Fagaden 
leistete grade jene Zeit viel gutes und nach- 
ahmenswerthes. Es lassen sich darin drei Haupt 
typen unterscheiden, deren Motive als Gemeingut 
so oft verwendet werden, dass es sehr schwer ist, 
ausser etwa bei dem alternden J. Boumann, die 
Eigenart eines bestimmten Künstlers herauszu 
erkennen. Die frühesten Zopfbauten lehnen sich 
noch gern an die der vergangenen Epoche an 
und suchen, bei Vermeidung einer Fläclien- 
Gliederung durch Mittel- oder Eckvorsprünge, vor 
nehmlich durch verschiedene Ausbildung der 
Lichtöffnungen, der Umrahmungen und Ver 
dachungen zu wirken. Die Fenster des Haupt 
geschosses haben zumeist Deckgesimse, oft von 
gebrochener oder geschwungener Form, die Fen 
sterfriese darunter zeigen Muscheln oder Kar 
tuschen mit Blumengewinden, häufiger jedoch 
schon mit Eichen- oder Lorbeerguirlanden. Kränze 
und Guirlanden, vornehmlich jedoch hängende 
Tuchlappen oder Löwenfelle füllen die Brüstungs 
felder. — Als Hauptvertreter dieser noch von 
älteren Vorbildern abhängigen Richtung darf Joh. 
Boumann der Aeltere (f 1776) angesehen werden. 
Eine zweite, besonders häufige Gruppe von 
Fagaden wirkt vornehmlich durch Gegensätze der 
Flächenbehandlung und zeigt eine durchgehende 
Theilung durch breite Quaderstreifen. Die glatten 
Felder zwischen denselben enthalten die mehr 
oder minder reich ausgebildeten Fensterarchitek 
turen mit dem oben angeführten Formenapparat, bis 
weilen jedoch einfache Rundbogenfenster mit Kar 
tuschen oder Köpfen am Scheitel. Eines der besten 
Beispiele dieser Gruppe bietet das stattliche Eck 
haus zwischen Neuer Königs- und Landsberger 
strasse, sowie die Fagaden Münzstrasse 19 und 
unter den Linden No. 11. 
Erst in den letzten Jahren Friedrichs II., mehr 
noch in den Immediatbauten seines Nachfolgers, 
tritt wieder die Palastfront mit gequadertem, als 
Unterbau behandeltem Erdgeschosse, Theilung der 
Obergeschosse durch Pilaster oder Wandsäulen, 
und einer Gliederung durch Mittel- oder Eck 
risalite in den Vordergrund. Die in den letzt 
genannten beiden Richtungen thätigen Hauptmeister 
waren Karl v. Gontard und sein Schüler Georg- 
Christian Unger. 
Ein gemeinsamer Vorzug aller auch unbe 
deutender Kräfte, das Erbtheil einer langen, nicht 
unterbrochenen Kunstübung, war die Beherrschung 
der Formen und Mittel, ein festes Stilgefühl, die 
sichere Berechnung der plastischen Wirkung, Vor 
züge, die den Bauten auch jener schon stark von 
fremden — antiken — Elementen durchsetzten 
Kunst, trotz des oft schon recht trockenen, reiz 
losen Details und der flüchtigen Ausführung, ihren 
Werth verleihen. 
Im alten Berlin erfuhr zunächst die Königs 
strasse, vornehmlich in ihrem östlichen Verlaufe, 
eine Umgestaltung durch Neubauten, von denen 
heute freilich nur noch ein kleiner Theil erhalten 
ist. In den Mappen des Geh. Staats - Archivs 
finden sich neben den Entwürfen dazu (von 
Boumann) Aufnahmen von den älteren, unschein 
baren Bürgerhäusern. — Zu den Neubauten aus 
jener Zeit zählen die sämtlich mehr oder minder 
modernisirten Fronten: Königsstrasse 11, das 
schmale Haus No. 52 und das um ein (modernes) 
Stockwerk erhöhte Haus No.50. Königsstrasse 42 
zeigt in dem Muschelwerk an den Fenstern ältere 
Motive, wie sie J. Boumann liebte. Einfacher ist 
die Fagade des Nachbarhauses No. 43. 
Recht gut durchgebildet erscheint das Haus 
Poststrasse 14 1 ). Die dreigeschossige Front hat 
ein Mittelrisalit mit einem Giebel, darin eine 
Kartusche mit der Jahreszahl 1776. Consolen, 
Muscheln mit Laubgewinden und hängende Tücher 
sind die charakteristischen Verzierungen. — Einem 
Umbau aus derselben Zeit verdankt das angren- 
zendeHaus derHorchschenStiftung,Poststrasselö, 
sein jetziges Aussehen. 
In der Hauptstrasse von Köln, der Breiten 
strasse, baute J. Boumann das Haus No. 5 für den 
Bankier Merck * 2 ) 1770, das jetzt stark umgestaltet 
doch noch gute, an das Rococo erinnernde Details 
(Muscheln an den Fenstern des I. Stocks) aufweist. 
Spätere, trocknere und steifere Formen weist das 
Haus Breitestrasse 8 (Vossische Zeitung) auf. — 
Brqitestrasse 9 enthält noch alte Details (Mittel 
fenster im I. Stock und Hausthür in Rococoformen), 
ähnlich das Haus No. 17. In diese Reihe gehört 
endlich noch der Umbau von Schlossplatz No. 11, 
') Ueber die Geschichte des Hauses vgl. Küster III. S. 52. 
2 ) G. St. A. Akt. d. Oberhofbauamts, Immediatbauten v. 
1763-75. Rubr. IV. la. 1770.
        
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