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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Denkmäler bürgerlicher Baukunst. 
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dreigeschossige Vorderseite zeigte in der üblichen 
Reliefabstufung ein fünfaxiges Mittelrisalit, hier 
auf, um einen halben Stein zurückspringend, je 
eine einaxige Rücklage mit einem Portal und da 
ran anschliessend jederseits einen dreiaxigen Flügel 
mit niedrigerem Hauptgesimse. Keine Theilung 
durch Pilaster. Halbsäulen mit Gebälk umrahm 
ten die zwei durch Freitreppen zugänglichen Ein 
gänge. Vor dem Mittelfenster des ersten Stocks 
sprang auf Sandsteinconsolen ein Balcon mit 
schmiedeeisernem Gitter vor; die Attika des mitt 
leren Bautheiles krönten 6 Sandsteinfiguren. Von 
Fig. 
Details der Fenster vom ( 
No. 4 und Breitestrasse No. 7, welche somit, wie 
schon aus anderen Gründen, demselben Meister 
zuzuschreiben sind. 
Das Grundstück Kölnischer Fischmarkt No. 4 
gehörte im XVI. Jahrhundert der Griebenschen 
Familie, kam um die Mitte des XVII. Jahrhun 
derts in den Besitz eines Thomas Mehden, später 
an einen Daniel Salomon, hierauf an den be 
trügerischen Münzlieferanten Werner Eberhardt, 
von dem es der grosse Kurfürst, um sich für Ver 
untreuungen schadlos zu halten, einbehielt. Am 
18. Mai 1683 1 ) schenkte er es dem Feldmarschall 
Fürstenhause. 
diesen befinden sich 3, ein Apoll mit der Leier 
und zwei allegorische Gewandfiguren, am Stadt- 
bahnviaduct im Garten von Monbijou; das Balcon- J 
gitter ist der Handwerkerschule überwiesen, die j 
Steinconsolen sowie ein Portal sind an einem 
Nebengebäude im Garten der Technischen Hoch 
schule zu Charlottenburg, das andere Portal als 
Umrahmung eines Wandbrunnens im Hofe des 
Hauses Thiergartenstrasse 26 a wieder verwendet 
worden. — Die bemerkenswerthe Profilirung der 
Fensterverdachungen: wellenförmig geschwungene, 
an der Unterfläche mit Rundstäben besetzte Hänge 
platten giebt Fig. 68 nach Aufnahmen von j 
A. Messel. Ganz die gleichen Profile zeigen j 
die Fenster der Häuser Kölnischer Fischmarkt 
v. Derfflinger, doch war dieser noch 1686 nicht 
in unangefochtenem Besitz, sondern gezwungen, 
den Schutz des Kurfürsten nachzusuchen. Einen 
Neubau, den auch der Schultzsche Plan nocli nicht 
verzeichnet, wird Derfflinger erst einige Zeit 
später, wahrscheinlich 1693—1694, ausgeführt haben, 
denn noch am 6. Mai 1694 * 2 ) erhält die Baucom 
mission Befehl, über eine von dem Kupferschmied 
Jury gelieferte, aber untauglich befundene Rinne 
an dem „neuerbauten“ Hause des Feldmarschalls 
zu berichten. Auch dieser Bau fällt somit in die 
Zeit von Nerings hauptsächlicher Wirksamkeit 
(1688—1695). Das ursprüngliche, durch moder 
nen Umbau und Erhöhung um ein Stockwerk ver 
änderte Aussehen des Hauses lässt sich mit Hülfe 
sich ausgeführt in seinem Leben Schlüters Anm. 46. S. 230, 
erscheint mir jedoch nicht überzeugend. 
') G. St. A. Rep. 21. 26 Cöln — 1680. 
2 ) a. a. 0. Rep. 9. DDD. Bausachen.
        
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