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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Denkmäler bürgerlicher Baukunst. 
Mittelfeld und die beiden anschliessenden Rund- j 
felder umrahmt ein breiter Fries mit Kartuschen 
und Akanthusranken. 
Trotz eines Umbaues in neuklassischen Formen ' 
gibt sich die Kölnische Probstei, Brüderstrasse 
No. 10, als eine Anlage vom Ende des XVII. Jahr 
hunderts zu erkennen. Das Haus besass 1690 
(Stridbeck) der Minister v. Happe, der wahrschein 
lich auch der Erbauer war. Das gequaderte Erd 
geschoss mit seinen schmiedeeisernen Kastengittem 
ist alt; die Bauformen der Obergeschosse, die 
Pilaster am Mittelfenster, der Akanthusfries unter 
dem Hauptgesims gehören dem vorerwähnten Um 
bau an. Im Innern hat noch der Erdgeschossraum ! 
rechts seine ursprüngliche, reich verzierte Stuckdecke, 
ein Tonnengewölbe mit Stichkappen; die Gewölbe- ! 
flächen bedecken derbe Lorbeerzweige, den Scheitel 
Rollwerkkartuschen mit Genien. Seit dem 30. April 
1737 ist das Gebäude im Besitze der Kölnischen 
Probstei. 
Brüderstrasse 12 bewahrt im Erdgeschosse | 
eine Stuckdecke, deren ovales Mittelfeld von 
Akanthusfriesen und Eckfeldern umrahmt wird. — 
Die Stuckdecken im Flur und Erdgeschossraum 
von Breitestrasse 23, welche Eckkartuschen mit 
Akanthusranken und Fruchtgehänge zeigen, stam 
men vom Ende des XVII., die Faqade wohl erst 
von einem Umbaue zu Beginn des XVIII. Jahrhun 
derts. Das Haus gehörte im XVII. Jahrhundert der j 
Familie Brunnemann und kam 1689 an den Kauf 
mann Kornmesser. 
Der Abbruch der Kölnischen Stadtmauer längs 
des Schleusenarmes der Spree ermöglichte die An 
lage einer Quaistrasse nach holländischer Art, 
Friedrichsgracht, die damals schon zumWerder 
gerechnet wurde und Raum für eine Reihe be 
gehrter Bauplätze darbot. Zwei vornehme Häuser, 
No. 57 und 58, auf dem Schultzschen Plane (1688) 
sowie bei Stridbeck abgebildet und vermuthlich kurz 
vorher entstanden, gehören demselben Typus an, den 
auch das ehemalige Martizsche Haus vertrat. Als ihr | 
Erbauer ist vielleicht Smids anzusehen. Beide sind j 
durch neuere Umbauten verändert, doch so, dass we 
nigstens noch das System erhalten geblieben ist. — 
No. 57, ein dreigeschossiger Bau mit niedrigem 
Untergeschoss, zeigt die üblichen vor einander 
geschobenen Risalite. Das mittlere theilen korin 
thische Pilaster, daran schliessen sich zu beiden 
Seiten je eine zweifenstrige und eine einfenstrige 
Rücklage. Als der erste Erbauer wird der Holz 
schreiber Joh. Lauer genannt, später bewohnten 
das Haus der Feldmarschall v. Flemming, der 
General Joh. Georg v. Tettau 1 ) (f 1713), der 
Kaiserliche Gesandte Graf Seckendorf, bis es in 
den Besitz der Firma Splittgerber und Daun und 
1812 durch Vermächtniss an das Schindlersche 
Waisenhaus gelangte. 
Friedrichsgracht No. 58, als dessen Besitzer 
Küster (III. S. 109) zu Anfang des XVIII. Jahr 
hunderts den Minister Rütger v. Ilgen nennt, wurde 
auf einem vordem dem Geh. Rath Tornow ge 
hörigen Gartenterrain von dem Sekretair Nie. Buten 
dach erbaut. In der Gliederung No. 57 ähnlich, 
zeigt das Haus ein vor den einfenstrigen Rück 
lagen nur wenig vorspringendes Mittelrisalit, dessen 
beide Obergeschosse durch korinthische Pilaster 
zusammengefasst sind und einst von einem Giebel 
bekrönt waren. Heute befindet sich an dessen 
Stelle eine Attika. Alte Formen sind nur noch die 
Pilasterkapitelle und Füllungen zwischen den Con- 
solen des Hauptgesimses. Die Stridbecksche 
Aquarelle lässt weiss getünchte Flächen erkennen, 
von denen sich die Hausteingliederungen wirksam 
abhoben. Im Innern haben sich noch Stuckdecken 
im Stil der schon erwähnten Arbeiten vom Ende 
des XVII. Jahrhunderts erhalten. 
In das letzte Jahrzehnt des XVII. Jahrhunderts 
gehört das Haus „an der Schleuse No. 12“ mit 
einem Rundbogenportalc mit Pilastern. 
Den Typus eines besseren Bürgerhauses jener 
Zeit bot das im Sommer 1891 abgebrochene Haus 
Kurstrasse No. 31 * 2 ) mit seiner durch Flächen 
vorsprünge belebten Front und den in allen Stock 
werken wohlerhaltenen Stuckdecken. — Aehnliche 
Decken enthielt auch das gleichfalls 1891 zer 
störte Gebäude Unterwasserstrasse 8. 
Weit stattlicher war das im Jahre 1886 ab 
gebrochene, auch geschichtlich denkwürdige so 
genannte Fürstenhaus 3 ) in der Kurstrasse, im 
Zuge der Jägerstrasse. Das Gebäude, einst das 
Haus des Ministers Eberhard von Danckelmann, 
seit dessen Sturze (1698) als Absteigequartier für 
vornehme und fürstliche Gäste des Hofes benutzt, 
wird schon wegen der Erbauungszeit, 1689—90 4 ), 
mit gutem Grunde Nering zugesebrieben 5 ). Die 
') Nach Ausweis des Schossregisters vom Jahre 1711. 
Rathhaus-Bibliothek. 
2 ) Der Schultzsche Plan verzeichnet es bereits. 
3 ) Veröffentl. mit Aufnahmen von A. Messel, von R. Borr- 
mann, Ztsch. f. Bauw. XXXVIII 1888 S. 286. 
4 ) G. St. A. Rep. 21 191b Friedrichs-Werder. Die Zeit 
angaben von Nicolai sind ganz confus. 
5 ) Die abweichende Ansicht Guriitts, der das Fürsten 
haus dem Erbauer der Köpenieker Kapelle und des Oranien 
burger Schlosses (Nering) nicht zuzuweisen vermag, findet
        
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