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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Feldherrn-Statuen auf dem Wilhelms-Platz. 
eigen gewesen sein soll. Die Statue wurde an der 
Nordostecke des Platzes im April 1781 *) enthüllt 
und 1861, dem Marmororiginal entsprechend, in 
Bronze nachgebildet. — Etwas geschickter erscheint 
die am 5. Mai 1786 enthüllte Statue von Keith, 
an der Südostecke des Wilhelmsplatzes. Die aus 
gestreckte Rechte hält den Kommandostab, die 
linke Hand fasst die Lederhandschuhe und stützt 
sich auf einen von Epheu umrankten Baumstumpf. 
Die Brönzenachbildung datirt aus dem Jahre 1857, i 
Die weissen Marmorsockel der genannten vier 
Statuen sind viereckige Postamente mit barocken 
Voluten an den Ecken und einer Löwenhaut mit 
der Inschrift an der Vorderseite. 1789 wurden 
nach Modellen von Labadie und Bettkober jetzt 
nicht mehr vorhandene, mit Helmen und Adlern 
verzierte gusseiserne Gitter um die Statuen ver 
setzt. — Die Sockel sämtlicher jetzigen Bronze 
figuren sind übereinstimmend aus Granit gear 
beitet und mit modernen gusseisernen Schutz 
gittern nmgeben. 
Zieten (Taf. XXVII) (f 27. Januar 1786), von 
Schadow gearbeitet, steht in sinnender, nachdenk 
licher Haltung an einen Baumstamm gelehnt da; 
das rechte Bein ist lässig über das linke ge 
schlagen, die rechte Hand stützt das Kinn, die 
linke ruht am Säbelgriff. Die Stellung, obwohl 
wenig soldatisch, ist doch von grosser Lebens- | 
Wahrheit. Mit grossem Fleisse ist nach Modell- j 
Studien die damalige Husarenuniform behandelt. 
Am Sockel aus grauem Marmor befinden sieh die 
aus nur wenigen Figuren bestehenden Reliefs 
(weisser Marmor), in welchen, wie Schadow 
(Kunstw. u. Kunstans. S. 25) bemerkt, die dem 
General eigenthümliche, stark gekrümmte Haltung 
zu Pferde wiedergegeben ist. Die Reliefs stellen 
dar rechts: das Gefecht bei Katholisch-Hennersdorf 
(23. November 1745), an der Rückseite Zieten und 
seinen Lehrer Baronay bei Rothschloss (17. Mai 
1741), links: Zieten auf den Siptizer Höhen bei 
Torgau (3. November 1760). Die Vorderseite zeigt 
ein Tigerfell mit der Inschrift. — Die Statue, ur 
sprünglich für den Dönhoffsplatz bestimmt, wurde 
im März 1794 an der Ostseite des Wilhelmsplatzes 
aufgestellt und 1857 dem Original getreu in 
Bronze gegossen. 
Den Auftrag zur Statue des Fürsten Leopold 
von Anhalt-Dessau erhielt Schadow im Jahre 
1798 und vollendete das Werk, nach Genehmi 
gung der Skizze durch den König, bis zum Jahre 
1800. Die Figur wurde zunächst an der Süd 
westecke des Lustgartens aufgestellt und kam 
1828, nach der Umwandlung dieses Platzes, an 
ihren heutigen Standort. Die Gestalt des Fürsten 
ist von treffender Portraitwahrheit und bekundet 
in Haltung und Ausdruck Strammheit und Ent 
schlossenheit. Die Körperlast ruht auf dem linken 
Beine, das rechte ist wie zum Schritt vorwärts ge 
stellt. Die rechte Hand fasst den Kommandostab, 
die linke den Degengriff. Der graue Marmor 
sockel der Originalfigur enthält vorn die Inschrift, 
an den Seiten zwei weisse Marmortafeln mit Reliefs: 
rechts Borussia, eine Nike mit dem Siegeskranz 
auf der Rechten tragend, links: Nike, welche den 
Sieg bei Kesselsdorf verzeichnet. 
Ein wenig bekanntes Monument aus der an 
Bildwerken so reichen ersten Zeit Friedrichs 
des Grossen ist die Colossalfigur eines Apoll aus 
Marmor im Thiergarten. Der Gott, ein backenbär 
tiger, derber Gesell von unedlen Formen, war mit 
seinem Gegenstück, einem Hermes Musagetes, an 
fänglich (seit 1745) vor dem de Bodtschen Portale am 
Potsdamer Stadtschlosse aufgestellt. Da die Figuren 
dem Könige missfielen, kamen sie auf den Platz 
vor dem Brandenburger Thore in Berlin, von wo 
sie 1839 entfernt wurden. Der Apoll steht jetzt 
in den Anlagen in der Nähe der Rousseauinsel. 
J ) König a. a. 0. — Nicolai (S. 194) gibt das Jahr 
1778 an. 
Zeugniss von dem tiefen Verfall der Bildnerei 
aus den letzten Jahren des grossen Königs legen 
ab die schon S. 385 erwähnten acht Sandstein 
gruppen auf dem Leipziger Platze, Arbeiten von 
Meyer dem Aelteren. Sie dienten ursprünglich als 
Laternenträger auf der 1774 erbauten Opernbrücke 
und wurden 1824 an ihre jetzige Stelle versetzt. 
Es sind jedesmal zwei zu einer Gruppe vereinigte 
Gestalten, bald zwei männliche, bald eine männ 
liche und eine weibliche Figur, die eine stehend, 
die andere sitzend oder hockend, beide den mit 
einem Gewandstück drapirten Kandelaber um 
fassend.
        
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