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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Hallen der Spittelbrücke. 
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waren, bewohnbare Obergeschosse über den Hallen 
erbaut und dadurch die Einheitlichkeit des Aeusse- 
1759 ren gestört. — Am 8. Mai 1759 verheerte ein auf 
der Mühlenseite entstandener Brand einen Theil der 
Baulichkeiten. — Bei der Wiederherstellung durch 
Feldmann wurde auf die Hallen, welche der kräf- 
tigeren Wirkung wegen eine Rusticaquaderung er 
hielten, noch ein durch jonische Pilaster geglieder 
ter zweistöckiger Oberbau gesetzt. Auch in unserem 
Jahrhundert sind die Mühlengebäude durch einen 
1838 Brand zerstört, am 3. April 1838, was den Anlass 
gab zu einem durchgreifenden Umbau nach Ent 
würfen von Persius dem Aelteren. Die neuen 
Mühlengebäude aus Backstein in den Formen 
mittelalterlicher Kastellbauten gewährten von der 
langen Brücke aus einen zu jener Zeit von Vielen 
bewunderten Prospekt. Im Anschluss daran wurde 
auch die an das Haus Poststrasse 16 anstossende 
Hälfte des nördlichen Arkadenbaues in modernen 
Renaissanceformen umgebaut und hinter den Müh 
len ein Fussgängerweg angelegt (1850). Die oberen 
Stockwerke der Dammgebäude dienten zuletzt zu 
Bureaus des Polizeipräsidiums. Ein völliger, Aus 
sehen und Bestimmung der alten Anlagen ändernder 
Neubau ist gegenwärtig in der Ausführung begriffen, 
da, nach Beseitigung der Mühlen, die Schleusen und 
Wehre in den Hauptarm der Spree verlegt worden 
sind, und gleichzeitig die Brücke verbreitert wird. 
Die alten Arkaden mit ihrem widrigen Trödelkram 
sind in den Jahren 1887—1890 abgerissen und 
werden durch einen Neubau für die Zwecke der 
städtischen Verwaltung ersetzt. 
Hallen der Spittelbrücke. 
Lichtdruck in: Blätter f. Arch. u. Kunsthandw. IV, Taf. LXXVII (1891). 
Die Hallen der Spittelbrücke in der Leip 
zigerstrasse sind 1776, nach Plänen von Gontard, 
an Stelle älterer, von Friedrich Wilhelm I. an 
gelegter hölzerner Krambuden errichtet. Die j 
Hallen treten zu beiden Seiten der Strasse 
im Halbkreise zurück und schliessen an beiden 
Enden mit quadratischen, über den Bürgersteig 
vorspringenden Eckbauten ab. Diese Eckbauten j 
enthalten Bogenöffnungen, die zurückliegenden 
Theile der Hallen, mit Ausnahme der durch Pi- [ 
laster und Säulen besonders hervorgehobenen 
Mittelaxen, eine einfache Säulenstellung. Bei J 
der geringen Höhe der Säulen und ihren grossen 
Abständen nimmt sich diese Anordnung, im Gegen- j 
satze zu der der Königskolonnaden, woselbst der 
Fehler durch die Einstellung gepaarter Säulen 
auf breiten Sockeln von Brüstungshöhe geschickt 
vermieden ist, etwas leer und dürftig aus. 
Die Rückwände zeigen eine Pilasterstellung mit 
Bogenöffnungen für die Läden, dazwischen ver 
tiefte Wandfelder mit Reliefs von Geräthen des 
Handels und Ackerbaues, Laubzweigen, Füllhör 
nern mit Blumen und Früchten. Wie die Archi 
tektur so sind auch die plastischen Arbeiten 
wenn nicht einfacher so doch minder wirkungs 
voll wie an den Königskolonnaden. Auf der nie 
drigen Attika stehen Vasen, über den Säulen der 
Mittelbauten Kindergruppen, dahinter grössere, 
mit Trophäen und Kartuschen geschmückte 
„Paradeaufsätze“, über den Eckbauten Aufsätze, 
welche in Obelisken endigen. In der Gesamt 
anlage lässt sich das Vorbild der von Gontard 
etwa 10 Jahre früher erbauten, freilich ungleich 
reicheren und wirkungsvolleren Hallenanlage der 
sog. Communs, gegenüber dem Neuen Palais in 
Potsdam, nicht verkennen. 
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