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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Herkules-Brücke. 
Herkules-Brücke. 
Literatur: 1. Berlin u. s. Bauten S. 45, Fig. 14. — 2. R. Borrmann in Ztschr. f. Bauw. XL (1890) S. 2. Taf. I 
mit Aufnahmen von Bertram u. Krieger. 
Abbildungen: 1. Stich v. Serrurier: vue du nouveau pont de Frederic a Berlin. — 2. Drei Blatt Aufnahmen von 
Fleischinger, v. J. 1824, in den Mappen des Mark. Mus. — 8. Aufnahmen im städtischen Bauamt. — 4. Vgl. oben Literatur 2. 
Die erste Verbindung zwischen der Burgstraäse 
und den neu angelegten Strassen auf dem Glacis 
1749 vor den Festungswerken entstand im Jahre 1749 
durch die neue F r i c d ri ch s brücke, einen einfachen 
Holzbau, bei dessen Anlage die Rücksicht auf eine 
bequeme Zufahrt zu dem Sommersitze der Königin 
Sophie Dorothea, dem Lustschlosse Monbijou, mit 
bestimmend gewesen sein mochte. Die Brücke 
musste, da die rechte Faqe des davorliegenden 
Ravelins für die Flucht der jenseitigen Strasse, 
(kleine Präsidentenstrasse) maassgebend geworden 
war, in schräger Richtung über den Graben ge 
führt v r erden. Als 1785 neben der Spandauer 
Brücke eine grosse Seidenmuliniranstalt entstand, 
schränkte man den Graben unterhalb derselben | 
bis zu seiner Mündung bis auf die Hälfte seiner 
früheren Breite ein. Bald nach dem Regierungs 
antritte Friedrich Wilhelms II. begann der Neubau 
der im Jahre 1890 abgebrochenen Steinbrücke, 
Friedrichs-, auch Monbijoubrücke genannt (Fig. 57), 
1787 für welche im Bauetat von 1787 die Summe von 
21976Thlr. ausgesetzt war. Die Entwürfe dazu j 
rühren von Langhans her, die Bildwerke, welche j 
gradezu eine neue Epoche monumentaler Plastik 
in Berlin einleiten, sind nach Modellen von G. Scha- 
1788 dow ausgeführt.— Die Brückenbögen wurden 1788 
beendet, die Bildwerke, zu welchen die Skizzen 
auf der Kunstausstellung von 1789 zu sehen waren, 
1791 erst im Jahre 1791; in diesem Jahre wenigstens 
war ein Betrag von 3230 Thlr. 1 ) für die Gruppen j 
und die Einfassung des Platzes vor der Brücke 
ausgesetzt. 
Die Brücke hatte bei einer Breite von 11*/ 2 m j 
eine Länge von 26 m und überschritt in zwei 
Bogenöffnungen, in einem Winkel von ca. 70°, den 
Graben. — Es ist bezeichnend für die von Schadow 
betonte 2 ) Gewohnheit von Langhans, fremde Ideen j 
zu entlehnen, dass er für die Brücke sich an 
einen geistvollen Architekturstich des Piranesi 
(Band VIII, Taf. 23) hielt und für die Kampf- 
') G. St. A. Acten des Ober-Hof-Bauamts betr. die jährl. 
Bauetats. 1786—1792. Vol. I. rubr. IV. I. 
2 ) Schadow, Kunstw. und Kunstans. S. 23 und 169. 
gruppe des Herkules mit dem Kentauren den 
Bildhauer auf ein Werk des Giovanni da Bo 
logna als Vorbild hin wies. Dem Piranesi nach 
gebildet ist vor Allem der breite Mittelpfeiler, 
der anziehendste Theil des vortrefflich durchge 
bildeten Bauwerks, der vermuthlich erst den An 
lass für die Anordnung der Figurengruppen ge 
geben hat. Der Pfeiler erhob sich über einem 
Stufenunterbau und zeigte an beiden Stirnseiten, 
in Verbindung mit einer kräftig vortretenden Gurt 
platte, eine mit zierlichem Abschlussgesimse ver 
sehene Tafel, die Bogenfelder darüber an der Ostseite 
das Kerberosfell, an der Westseite eine Löwenhaut 
in Relief. — Der Pfeiler ist über das Deckgesims 
der Brücke hinausgeführt und schliesst in Höhe der 
Balustrade mit einem Consolengesimse ab, welches 
die Fussplinthe der Gruppe trägt. Die einfacher 
gestalteten Widerlagspfeiler tragen Postamente 
mit gelagerten Sphinxfiguren, auf deren Rücken 
Genien mit Füllhörnern als Laternenträger sitzen. 
Die östliche Mittelgruppe, Herkules im Kampfe 
mit dem Kentauren Nessus oder Eurytion, ist 
von Schadow selbst, nach einem Stiche von der 
Gruppe des Giovanni da Bologna, modellirt worden. 
Sie zeigt den Heros rittlings über dem zu Boden 
geworfenen Gegner, im Begriffe, ihm mit der Keule 
den Todesstreich zu versetzen. Die andere, weniger 
gelungene Gruppe, Herkules, den Nemeischen 
Löwen bezwingend, indem er ihm den Rachen auf- 
reisst, ist nur nach Schadows Skizze vom Bild 
hauer Boy ausgeführt. Beiden Gruppen dankte 
die Brücke ihren im Volksmunde entstandenen 
Namen Herkulesbrücke. — Die Brücke wurde 1844 
wieder hergestellt, jedoch im Jahre 1890, da sich 
bedauerlicher Weise ihre Wiederaufrichtung an 
anderer Stelle nicht ermöglichen Hess, abgebrochen. 
Die Bildwerke hat man sämtlich zum Schmuck 
der neuen stattlichen Brücke zwischen Fried 
rich-Wilhelmstrasse und Lützowplatz wieder ver 
wendet; sie kommen dort, nachdem sie abgerieben 
und an den schadhaften Stellen sorgfältig wieder 
hergestellt worden sind, allerdings besser zur Gel 
tung als in der Enge und dem Verkehrsgewühle 
ihres ursprünglichen Standortes.
        
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