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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Zeughaus. 
Mauerwerke und sogar an den Hausteingesimsen, 
1711 so dass man sich 1711 entschloss, das Dach nach 
und nach mit Kupfer einzudecken. Aber noch im 
Jahre 1713 schildert der Kriegsrath Möller den 
schadhaften Zustand von Dach und Decke als sehr 
bedenklich. Unentschieden war ferner noch immer 
die Frage der Treppenanlagen, für die 1710 de Bodt 
Vorschläge machen sollte. Aus seinen von Steche 
herausgegebenen Entwürfen geht hervor, dass be 
reits er - im Hofe, in der Axe der Nordseite, eine 
doppelarmige, hufeisenförmige Freitreppe, wie sie 
neuerdings von Hitzig ausgeführt worden ist, be 
absichtigt hatte, doch kam er bei seinem letzten 
Vorschläge auf die bereits im ersten Entwürfe ge 
plante Anlage von vier elliptischen Treppenräumen 
in den Winkeln des Hofes zurück. 
Langsam, mit der Beschränkung auf das noth- 
wendigste, aber wie beim Schlossbau mit zäher 
Energie betrieb Friedrich Wilhelm I. die Vollen 
dung des Baues. Noch 1716 wird ein Reparatur- 
Anschlag von 7574 Thlrn., worin vor Allem die Er 
neuerung verwitterter Stellen, Gradlegen von Ge 
simsen und Herstellungen an den Brüstungen vor- 
1718 gesehen waren, eingebracht und 1718 forderte der 
Oberst v. Linger 4000 Thlr. zur Anlage der bei 
den Treppen 1 ) in den Ecken des Hofes und zum 
inneren Ausbau der einen Hälfte des oberen Stock- 
1721 werks; 1721 folgte der Contract mit dem Schiefer 
decker Leydeck, der das Dach in drei Jahren neu 
eindecken sollte. 1723 wurden wieder 4564 Thlr. 
23 Sgr. zum Ausbau der andern Hälfte des Ober 
geschosses, 1728 noch 4805 Thlr. für Reparatur 
der Fussböden und Deckenschaalungen, endlich 
1729 (1729) 1213 Thlr. für die noch fehlenden Gewehr 
stützen bewilligt. Hiermit waren, nach Verlauf von 
34 Jahren, die Bauarbeiten zum Abschluss ge 
bracht und auch die volle Belegung mit Waffen, 
über die noch ein alter Belegungsplan des Lieute 
nants v. Borcke vom Jahre 1734 Aufschluss gibt, 
1730 scheint bald darauf, 1730, statt gefunden zu haben. 
Bis 1877 hat das Bauwerk dem ursprünglichen 
Zwecke als Arsenal, nach den Freiheitskriegen 
gelegentlich auch für die Bedürfnisse verschiedener 
Behörden gedient, in Folge dessen das Innere 
durch Einbauten verunstaltet worden war. Eine 
neue und sicher die würdigste Bestimmung, als 
ein Museum für Waffen- und Kriegskunde, ver 
bunden mit einer Ruhmeshalle für die Thaten der 
brandenburgisch-preussischen Armee, erhielt es 
’) Die Treppen wurden in Holz ausgeführt, während de 
Bodt freitragende Steintreppen beabsichtigt hatte. (Steche 
a. a. O.) 
nach einem Umbau durch Hitzig (1877—1880), der isso 
| zum Glück das Aeussere so gut wie gar nicht verän 
derte. — Der Hof wurde mit einem Glasdache ver 
sehen, das Obergeschoss durchgehends eingewölbt, 
j an der Nordseite, unter einer nach aussen nur 
j wenig vortretenden Kuppel, ein stattlicher Central- 
raum geschaffen, der mit den anstossenden Räumen 
j dieses Flügels durch Wandgemälde bedeutsamer 
politischer und kriegerischer Ereignisse, sowie mit 
den Statuen preussischer Herrscher und Feldherrn 
geschmückt wurde. Den Zugang zu diesen Räumen 
vermittelt eine doppelarmige Freitreppe an der 
| Nordseite des Hofes, wodurch, wie wir wissen, 
ein glücklicher Gedanke de Bodts zur Ausführung 
I gelangt ist. 
Beschreibung. Das Zeughaus umfasst bei 
rund 90 m Quadratseite einen Flächenraum von 
ca. 8100 qm, wovon etwa 1440 qm auf den eben 
falls quadratischen Hof (von 38 m Seite) entfallen. 
Die Höhe bis zur Oberkante der Attika beträgt 
18 3 / 4 m. Ein in Folge der Terrainerhöhung 
jetzt besonders an der Südseite sehr niedriger 
Sockel 1 ) aus Sandstein, welcher rauhem, nur leicht 
bearbeitetem Felsgestein gleicht, trägt das Ganze. 
Sämtliche Gesimse, Fenstergewände und Ver 
dachungen, die Attika und alle Bildwerke bestehen 
aus Sandstein, die Mauerflächen aus Ziegeln mit 
Putzverkleidung. — Die Composition (Taf. XXIV), 
sowie die Durchbildung im Einzelnen ist vortreff 
lich, die Gliederung der Facaden einfach und klar 
und doch, durch den regelmässigen Wechsel von 
Vor- und Rücksprüngen, von massigem, die ruhige 
Flächenwirkung nicht beeinträchtigendem Relief, 
vor Einförmigkeit bewahrt. Das gequaderte Erd 
geschoss zeigt 19 breite Rundbogenöffnungen an 
jeder Seite, darunter je 3 Thüren aus Eichenholz 
mit ausgezeichneten Schnitzereien, das Oberge 
schoss hohe Fenster mit schmalen, an den Ecken 
verkröpften Gewänden, gebogenen Friesen und 
abwechselnd bogen- und giebelförmigen Ver- 
dachungen. Den Eingängen im Erdgeschosse ent 
sprechen Fenster mit einer Umrahmung durch Pi 
laster und Triglyphengebälk. — Bedeutsam hervor 
gehoben sind ferner die Mitten der Fronten, und 
| zwar an den drei Nebenseiten durch Wandsäulen 
I mit einem die Attika übei’ragenden Giebel. An der 
südlichen Hauptfront springt der mittlere Giebel 
weiter hinaus und wird von freistehenden toskani 
schen Säulen getragen. Beachtung verdient die 
’) Schon Pitzier macht die Bemerkung: das ped. nur 2' 
hoch und ist versehen, sollte 4 1 hoch sein, betrachtet also den 
niedrigen Sockel als einen Fehler.
        
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