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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Berlinisches Rathhaus. 
Berlinisches Rathhaus. 
Literatur: 1. Küster IV. S. 86. — 2. Das Berliner Rathhaus. Denkschrift zur Grundsteinlegung für das neue 
Rathhaus, 11. Juni 1861, mit Abbildungen. 
Abbildungen: 1. Schleuens Stadtplan. — 2. Schleuens Prospekte No. 12. — 3. In der unter 2. citirten Denk 
schrift. — 4. Die Gerichtslaube: in Berlin u. s. Bauten I. Fig. 167 u. 168. — 5. Lithographie y. Lütke als Beilage z. Berl. 
Wochenblatt. 2. Quart. 1837. — 6. 9 Blatt Aufnahme-Zeichnungen von Bormann in der Handzeichnungen-Sammlung des Mär 
kischen Museums. 
Geschichte. Das älteste Rathhaus in Berlin 
soll einer verbreiteten Annahme nach auf dem 
Molkenmarkte gestanden haben, woselbst dem Stadt 
buche zufolge, sich einst auch die Bildsäule des 
Roland, das Wahrzeichen der städtischen Gerichts 
barkeit, befand. Allein schon nach der Mitte des 
XIII. Jahrhunderts, jedenfalls vor dessen Ab 
lauf, muss, den Bauformen nach zu urthei- 
len, das alte Rathhaus an der Ecke der Span 
dauer und Königsstrasse vorhanden gewesen sein. 
Den ältesten Bestandtheil dieses 1861 abgebroche 
nen, im Laufe der Jahrhunderte vielfach umge 
stalteten und erweiterten Bauwerks bildete ein etwa 
an der Nordwestecke des heutigen Rathhauses, 
nach der Spandauerstrasse zu, vorspringender, zwei 
geschossiger Vorbau, der zu ebener Erde eine 
gewölbte Halle, den Schöffenstuhl oder die Ge 
richtslaube, den Sitz des städtischen Gerichts, 
darüber die Rathsstube für die Rathsver 
sammlungen enthielt. Rückwärts schloss sich 
daran ein Bautheil, in welchem unten Keller- und 
Lagerräume, im Erdgeschosse muthmaasslich eine 
Trinkstube, daneben Niederlags- und Verkaufs 
räume, im Obergeschosse der Tanzboden, der 
Festsaal für Rath und Bürgerschaft, welche hier 
ihre Gastereien und Hochzeiten abhielten, unter 
gebracht waren. Freilich lässt sich die Grundriss 
gestalt dieses Theils, welche die Denkschrift vom 
Jahre 1861 genauer zu bestimmen versucht, nicht 
sicher feststellen. Während der Vereinigung von Ber 
lin und Köln zu einem Gemeinwesen (1307—1442) 
befand sich der Sitz des Raths und Stadtgerichts 
auf einem gemeinsamen, in Verbindung mit der 
langen Brücke angelegten Rathhause, wahrschein 
lich in einem einfachen Fachwerkbau, der, nach 
dem Kurfürst Friedrich II. die Stadtverwaltung 
wiederum getrennt hatte, bis zu seinem 1514 er 
folgten Abbruche Sitz des Hofrichters geblieben ist. 
Zu den ältesten Bautheilen des Berliner Rath 
hauses gehörte ferner neben der Gerichtslaube der 
nördlich daranstossende Uhrthurm (Seigerthurm), 
dessen Vorhandensein wenigstens für den Anfang 
des XV. Jahrhunderts gesichert ist 1 ), sowie der 
ganze nördliche Flügel an der Königss.trasse bis 
zur Durchfahrt mit der Rathswaage. Die'Rück 
seite dieses Flügels, nach dem Hofe zu, liess noch 
eine Reihe von einfachen spitzhogigen Blendar 
kaden aus Backsteinen erkennen. Die Denkschrift 
von 1861 bezeichnet Thurm und Nordflügel, mit 
Rücksicht auf ihre von den zuerst genannten 
Theilen abweichenden Gewölbeformen und Ziegel- 
maasse, als Erweiterungen * 2 ) aus der Zeit der 
Wiederherstellung nach dem Stadtbrande vom 
Jahre 1380. Dass bei diesem Brande, wie fast 
alle öffentlichen Gebäude Berlins, auch das Rathhaus 
Schaden gelitten habe, meldet eine in der Chronik 
der Kölner Stadtschreiber enthaltene Ueberliefe- 
rung. — Dem XV. Jahrhundert gehörte sicher ein 
im Winkel des Thurmes und Nordflügels errich 
teter schmaler Anbau an, der im Keller ein Ge- 
fängniss, den sog. Krautgarten, im Erdgeschosse 
einen Raum mit Sterngewölben enthielt. — 1484 1484 
betraf das Rathhaus abermals ein Brand, in 
Folge dessen eine Wiederherstellung, welche von 
1488-—1494 gedauert hat (Thurmknopfeinlagen 
von St. Nicolai, Küster I. S. 263) nothwendig wurde. 
Ein wichtiger, inschriftlich beglaubigter Umbau 
fand ferner 1555 statt. Zunächst wurde das Dach 1555 
des Seigerthurms erneuert, schliesslich die schon 
baufällig gewordene, bisher nur mit einer Balken 
decke versehene Rathsstube wiederhergestellt und 
zu einem gewölbten Raume, gleich der Gerichts 
laube, umgeschaffen. Diese selbst war schon vor 
her durch Zumauerung ihrer Bogenöffnungen aus 
einer Halle in einen geschlossenen Raum verwan 
delt worden, der fortan der Mittelmärkischen 
Städtekasse 3 ) überwiesen, bereits 1555 als das 
*) Denkschrift von 1861. S. 7. Anm. 5. 
2 ) Für den späteren Anbau des Thurmes spricht auch 
der Umstand, dass der diagonal gerichtete Eckstrebepfeiler 
der Gerichtslaube durch den Thurm theilweise überbaut 
war. 
3 ) Hier blieb die Kasse bis zur Verlegung in das Haus 
Leipzigerstrasse 19, im Jahre 1783. — Im Jahre 1687 be-
        
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