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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Opernhaus. 
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litz, welches nach Nicolai (786) am Friedrich 
städtischen Markt, an der Jäger- und Markgrafen 
strasse lag, also identisch mit dem in Rede 
stehenden sein muss. — Im Jahre 1791 oder 1792 
wurde das Haus zum Dienstgebäude für das König 
liche Lotterie-Amt gemacht. In den zwan 
ziger Jahren unseres Jahrhunderts war darin zeit 
weise auch die General-Salz-Direktion unterge 
bracht. 
Nachdem 1833 eine Veränderung seines Aeus- 
seren und die geplante Beseitigung des Säulen- 
balcons rechtzeitig verhindert war, ist die Fagade 
seither, und auch bei dem letzten Umbau, im 
Jahre 1887, für die Zwecke des Oberverwal 
tungs-Gerichts, pietätvoll im alten Zustande 
erhalten geblieben. 
Die dreistöckige Front (Fig. 49) ist streng 
symmetrisch angelegt und gehört nach Compo- 
sition und Durchbildung zu den besten Bauten 
aus der Spätzeit Friedrichs des Grossen. Das 
gequaderte Erdgeschoss hat Rundbogenöffnungen, 
die oberen Stockwerke Fenster mit graden und 
Giebel-Verdachungen. Die Ecken sind durch 
Balcons auf Consolen und durch Fenster mit Pi- 
j lästern und bogenförmigen Verdachungen hervor- 
j gehoben. Das von breiten Quaderstreifen einge 
fasste Mittelrisalit greift mit seinem malerischen 
dreigetheilten System auf bekannte ältere Motive 
zurück. Eine Säulenstellung, deren Gebälk einen 
Balcon trägt, rahmt den Haupteingang ein. Im 
' ersten Stock sitzt eine Dreifenstergruppe, deren 
j mittlere Bogenöffnung rücksichtslos in die Ober- 
1 fenster einschneidet. Gelagerte Putten, Kartuschen 
! und Guirlanden bilden den plastischen Schmuck. 
Opern-ITaus. 
Literatur: 1. Kurze orientirende Beschreibung, vor Eröffnung des Hauses, in: Berl. Ztg., v. 27. Nvbr. 1742. — 
2. L. Schneider: Geschichte der Oper u. d. Kgl. Opernhauses zu Berlin (bis 1806), Berlin 1852, auf Grund von Akten 
studien verfasst. — 3. Ueber den Neubau v. J. 1843 vgl. u. a. Vossische Ztg. 1844, No. 103, 104, 113 u. 116. 
Abbildungen: 1. Original-Zeichnungen von v. Knobelsdorff im Kgl. Kupferstich-Kab. — 2. Plans de la Sale de 
l’Opera, bätie p. 1. baron d. Knobelsdorff ä Berlin 1743, p. J. G. Fiincke, enthält auch eine Darstellung sämtlicher Bildwerke, 
die jedoch nicht immer der Ausführung entsprechen. — 3. Perspekt. Ansicht v. Westen, gez. u. gest. von Füncke. — 4. Ein 
ähnlicher Stich (ohne Bezeichnung) mit dem Prinz-Heinrich-Palais und der Hedwigskirche. — 5. Ansicht auf dem Schmettau- 
schen Stadtplane. — 6. Ansichten in den Schleuenschen und Rosenbergschen Prospekten. 
Beschichte. Das Opernhaus, der erste grosse 
Neubau Friedrichs II., bezeichnet einen Mark 
stein in der Geschichte Berlins. Schon durch 
die Wahl des Bauplatzes, auf dem Glacis vor dem 
neuen Thore, wurde es bestimmend für die Ge 
staltung dieses glänzenden Theils der Stadt, an 
der Strasse unter den Linden, und bildet zugleich, 
im Vereine mit der gegenüberliegenden Bibliothek, 
Universität und Akademie den für immer mit 
dem Andenken an den grossen König verbundenen 
Brennpunkt des wissenschaftlichen und künstle 
rischen Lebens von Berlin. Der Bau griff noch 
mit etwa der Hälfte seiner Grundfläche in den 
ehemaligen Wassergraben vor den Wällen über. — 
Dass Friedrich sich schon als Kronprinz mit dem 
Plane der Errichtung einer Oper beschäftigt hat, 
ist unter anderem aus dem Eifer und der Eile zu 
entnehmen, womit er gleich nach seinem Regie 
rungsantritte die Angelegenheit betrieb. So be- 
märkische Kammer, den berechneten Holzbedarf an v. Gontard 
zu verabfolgen. 
richtet schon am 27. Oktober 1740 die Vossische 
Zeitung: „Dem Vernehmen nach wird ein grosser 
Saal(weisse Saal?) in der oberen Etage des Schlosses 
zurecht gemacht, um in demselben so lange Oper 
zu halten, bis ein eignes Gebäude, wovon bereits 
der Entwurf gemacht sein soll, dazu wird erbaut 
sein.“ — Zeitweilig bestand die Absicht, die an 
den Marstall grenzenden Häuser des Schlossplatzes 
abzubrechen und daselbst das neue Theater zu 
errichten. Ein Jahr später wurde sodann, als 
schon der Neubau des heutigen Opernhauses im 
Gange war, ein provisorisches Theater im soge 
nannten Alabaster-Saale des Königlichen Schlosses 
eingerichtet. 
Die Entwürfe zum neuen Hause rühren von 
v. Knobelsdorff her und es scheint, als ob der 
Architekt damit ganz bestimmte Pläne und Wünsche 
seines königlichen Bauherrn zur Ausführung ge 
bracht habe 1 ). Nachdem am 20. Juli 1741 die 
*) So schrieb v. Knobelsdorff in der Dedication seiner 
durch den Stich bekannt gewordenen Pläne (Schneider a.a.O. 
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